Freitagnachmittag

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Alnonymus

Sie nickt nun etwas entspannter, scheint Vertrauen gewonnen zu haben. „Trotzdem glaube ich, dass ich jetzt lieber daheim weiterlesen sollte.“ meint sie und will sich erheben. Schade, denke ich, denn sie ist attraktiv und wohl auch sympathisch, wenn sie erst einmal auftaut. Ich sollte sie nach ihrer Telefonnummer fragen, denn ich würde sie gerne wiedersehen, doch ich entscheide mich für einen gewagten Vorschlag: „Warten Sie, … hier ist wirklich ein schöner Ort zum Lesen, … gerade für eine solche Geschichte. … Wie wär’s, wenn wir uns zusammentun?“ Die Unbekannte hält inne und schaut mich fragend an. „Na ja“, erläutere ich, „ich mag das Buch, und wie wär’s, wenn sie mir vorlesen und ich passe auf, ob jemand kommt, … obwohl sich außer uns hier wohl sonst niemand hertraut. … Ich lehne mich einfach an den Stamm, sie lehnen sich an mich, und während sie lesen, halte ich die Augen auf.“ Erstaunte Blicke treffen mich: „Na hören sie mal, ich kenne sie ja überhaupt nicht.“ „Alfred“ sage ich mit einem Lächeln und reiche ihr meine Hand, die sie zu meinem Erstaunen ohne zu zögern ergreift. „Vivien“, sagt sie nur.
Doch sofort zieht sie die Hand zurück, als hätte sie damit bereits meinem Vorschlag zugestimmt. „Schmidtke“, ergänze ich, dann nenne ich ihr noch in schneller Folge meine Adresse, meine Telefonnummer, meine Mailanschrift, mein Alter, meinen Familienstand, und meinen Beruf. „Sonst noch was?“ schließe ich. „Deine Steuernummer hätte ich gerne noch.“ lacht sie und ist dabei zum ersten Mal zum Du gewechselt. Ich stimme in das Lachen ein. Das Eis scheint gebrochen zu sein, auch wenn sie noch skeptisch ist. „Keine Angst, ich werde nichts machen, was du nicht willst.“ Bemüht verlegen auf den Boden schauend ergänze ich noch: „Wenn du magst, aber auch wirklich nur dann, kann meine rechte Hand das machen, … was du vorhin mit deiner Hand gemacht hast. … Du siehst, meine Hände sind gepflegt, … und ich glaube ich bin nicht weniger geschickt darin als du. … Dann könntest du dich ganz auf das Lesen konzentrieren.“ Hoffentlich bin ich nicht zu weit gegangen, denn ich bemerke ihren erschreckten Gesichtsausdruck, als ich sie unschuldig lächelnd ansehe. Schnell ergänze ich: „Aber nur wenn du magst, sonst bleiben meine Hände bei mir, … ganz bestimmt.“

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