Die Fremde in Agnes Haus

Agnes' Haus der sündigen Engel

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Die Fremde in Agnes Haus

Die Fremde in Agnes Haus

Stayhungry

Die Sitzgruppe in ihrem Büro glich mehr Beichtstuhl oder Couch eines Psychoanalytikers als der Schaltzentrale eines Sündenpfuhls. Manchmal glaubte sie, sie taten dieselbe Arbeit, nur waren sie dort einen Schritt weiter. Sie mußte die Menschen nicht mehr groß zur Befreiung und dem Eingeständnis ihrer tiefsten Bedürfnisse ermutigen. Sie mußte ihnen Wege eröffnen, es zu tun, ihnen raten, was sie damit anfangen sollten.

Das konnte sie wirklich perfekt.

Und heute war so ein besonderer Tag für eine besondere Begegnung.

*

Seine Frau hatte ihn verlassen.

Unter vielen Tränen war ihnen klar geworden, dass sie kein Paar als Mann und Frau mehr waren, innige Freunde, deren seelische Nähe keine sinnliche mehr war. Sie verstanden sich gut, trafen sich oft und stets überkam ihn das Verlangen nach ihr, der unverändert heiß Begehrten, der Verlorenen, die doch noch so unauslöschlich in ihm wohnte. Er mühte sich, dies zu verbergen und sie konnte lesen in ihm wie einem offenen Buch. Jeder Abschied war schmerzhaft und doch bittersüß, die Hoffnung und Freude auf ein Wiedersehen bei beiden unterschiedslos. Der Versuchung weiterer Versuche gaben sie sich hin und scheiterten wiederum - eine Liebe, für die es keine Regeln und Vorbilder gab, die in der Ferne die Sehnsucht, in der Begegnung die Freude und in der Nähe den unbezähmbaren Drang zur Freiheit gebar, ihre ganz ihnen eigene Liebe eben.

Er kam in gewissen Anständen zu Agnes, um sein Leiden am Verlust aller geliebten Menschen sinnlich und lustvoll abzubüßen. Da war er nicht der Einzige, und auch nicht der Einzige, dem es finanziell echt etwas abverlangte, sich diese Freiräume, das Eintauchen in eine andere fremde Welt zu leisten. Aber wie viele andere scheute er nichts mehr als die Aura des Milieus, dem sein krimineller Hintergrund unschwer anzusehen war mit seinen gequälten Svetlanas und sonstigen Opfern unmenschlichen Menschenhandels. Ohne die von ihm und Agnes gleichermaßen geliebte Tina hätte er den Weg zu ihr nie gefunden.

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