Fremdpoppen zur Mittsommernacht

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Fremdpoppen zur Mittsommernacht

Fremdpoppen zur Mittsommernacht

Susi M. Paul

»Ohh, noch nicht!«, jammerte seine so jäh ihrer angenehmen Füllung beraubte Ehefrau. Doch sie fing sich schnell wieder und glich den abgewürgten ersten Höhepunkt des Abends durch umso hektischere Betriebsamkeit aus.
»Hier sind die Bettbezüge«, verkündete sie. Beim Essen hatten wir erfahren, dass sie die Dinger von der Mutter ihrer Schwiegermutter geerbt hatte. Den Umhängen der Männer hatte sie mit roter Farbe das Marssymbol und unseren das der Venus aufgemalt. Sie ließ wirklich nichts aus, um das Schauspiel würdig auszustaffieren. Alle mussten wir uns zuerst getrennt in den dunklen Wald zurückziehen, um auf ein Zeichen von ihr hin gemessenen Schrittes auf die so genannte Tanzfläche neben der Glut zu schreiten, wo die Zeremonie des tastenden Erkundens beginnen sollte.
Mit meinem gelassenen Schreiten wurde es natürlich nichts. Nachdem ich dem Unterholz entkommen und mein anfängliches Schimpfen verebbt war, hätte ich mir vor Lachen fast in die Hose gemacht, wenn ich denn eine angehabt hätte. Ich stellte mir vor, wenn jetzt jemand zufällig einen Nachtspaziergang machen würde, wie wir sechs mit unseren weißen Burkas auf der Lichtung wohl aussehen würden. »Shakespeare würde sich im Grab umdrehen«, kicherte ich in mich hinein, »aber vielleicht würde uns Greenaway in Gnaden aufnehmen, sollte er daran denken, den Sommernachtstraum zu verfilmen.«
Aber bald darauf merkte ich, dass ich Steffi ein bisschen unrecht getan hatte. Die zehn Minuten des fast anonymen Abtastens vor dem heruntergebrannten Feuer, das war ein unerwartet betörendes Erlebnis. Vielleicht gerade deswegen, weil Paul und ich uns vorher so lustig darüber gemacht hatten.
Um es richtig genießen zu können, machte ich einfach die Augen zu und ließ meinen Händen freie Bahn, hier eine Nase, dort eine Brustwarze zu suchen, gleich darauf einen starken Oberarm zu drücken und von dort zu dem dazugehörigen Dödel zu kommen. Im nächsten Moment überlegte ich, ob es der Hintern einer Frau oder eines Mannes ist, den ich gerade tätschelte, bevor ich meinem Gegenüber direkt zwischen die Beine langte, so weit es das Leinen zuließ, um dort dann behutsam eine tief eingeschnittene Furche abzutasten.
Gleichzeitig geschah das, was meine Hände an den anderen machten, auch an meinem eigenen Körper. Er wurde getätschelt, liebkost, umfasst und erforscht, aber eben anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Indirekter, schöner. Ich musste zugeben, das mit den Tüchern war doch eine tolle Idee gewesen. Ein fremder Griff an meine Muschel, der auf der bloßen Haut den Beigeschmack des Vulgären gehabt hätte, kam mir durch das Bettzeug vor, als ob jemand ganz einfach mein Geschlecht kennenlernen wollte, ohne mich gleich zu vereinnahmen oder den Fick vorzubereiten. Als eine weiche Frauenhand meine Titten streichelte, hätte ich nicht sagen können, ob mich das verwunderte oder erregte.
Dazu kam, dass es bis auf das Knacken des glühenden Holzes absolut still war. Keiner sagte etwas, keine stöhnte oder lechzte wie vorher, als wir uns vor dem Feuer aufgegeilt hatten. Jeder und jede konzentrierte sich auf die Berührungen und Streicheleinheiten, die wir uns gegenseitig gaben.
Allerdings war die Zeit bemessen, und zwar mit einem profanen Küchenwecker, der nach zehn Minuten losgehen sollte. Je näher wir dahin kamen, desto seltener kam ich in Kontakt zu den anderen. Ich machte die Augen auf, rückte die Sehschlitze zurecht, und da war mir klar, was ablief. Wie vermutet hatten meine lieben Freundinnen längst die Schuhe identifiziert und ihre Wahl getroffen.
Paul erzählte mir später, dass ihn irgendwann das Gefühl beschlichen hatte, immer weiter an den Rand gedrängt zu werden, ohne recht zu wissen, wie oder von wem. Naiv war er in Steffis Falle gegangen, obwohl ich ihn vorgewarnt hatte. Rita hatte sich Norbert unter den Nagel gerissen, indem sie sich fest an ihn schmiegte und seine rechte Hand über den bedürftigsten ihrer Körperteile führte. Ich beschwerte mich nicht. Hätten die beiden ihn mir nicht zugeschanzt, hätte ich sowieso Karl als meinen Beischläfer ausersehen. Er hatte etwas Schlitzohriges an sich, das ihn, gepaart mit seinem vergleichsweise beeindruckenden Gemächt, zu einem interessanten Matratzenpartner für diese Mittsommernacht machte.

Sein erster Ansturm verlief jedoch ganz und gar nicht wie erträumt. Während er mich aus meinem Laken schälte und seines über uns breitete, ertastete ich seinen freiliegenden Verheißungsschlegel. Allerdings mit desolaten Konsequenzen. Kaum hatte ich nach einem sorgfältigen Sondieren mit den Fingerspitzen herzhaft die Faust um ihn geschlossen, brach die aufgestaute Anspannung aus ihm heraus. Er hätte sich vorher am Feuer eben doch nicht so tief drin von Ritas Möse verabschieden sollen. In seiner Verlegenheit wollte er schon zu einem Entschuldigungsdiskurs anheben. Aber ich schnitt ihm einfach das Wort ab: »Zur Wiedergutmachung gehts nach unten!«
Folgsam trollte er sich bauchabwärts. Was er dort an Satisfaktion leistete, das machte er erstaunlich gut, darüber brauchte sich Rita wahrhaftig nicht zu beschweren. Seine Technik bestand darin, die gerollte Zunge durch die Eingangspforte hindurch zu drücken und sie dann erst im Zielgebiet aufzufalten. Ich war hellauf begeistert davon und nahm es, wie es kam, und es kam, auch eingedenk der Vorbehandlung, schnell und brachial.
Glücklicherweise gehört Karl nicht zu den Männern, die nach vollbrachter Arbeit auch noch gelobt werden wollen. Er schlüpfte stattdessen aus den Bettbezügen und holte uns zwei Bier. Dann schauten wir in die Sterne und lauschten einträchtig dem Knistern der Glut, dem Rauschen des Waldes und dem Treiben der anderen. Die waren, das konnten wir gar nicht überhören, von der Phase der Erkundung zu der des intimsten Erkennens übergegangen.
Als sie längst fertig und unsere Flaschen leer waren, klopfte Karls steifer Abgesandter vorsichtig an meinem Hinterteil an, ob er denn eventuell weitergehende Gelüste bei mir wecken könnte. Er konnte. Ja, er rannte quasi offene Türen und weit gespreizte Tore ein. Das mit dem trauten Löffelchen, mit dem er anfing, fand ich aber reichlich fade, weshalb ich mich ungeniert auf ihn schwang. Ohne Rücksicht darauf, dass sich mein noch ungebräunter Körper als Augenweide für die zwei pausierenden Paare vor dem dunklen Hintergrund aus Wiese und Wald abheben würde.
Mein Töpfchen hatte genau die richtige Größe für seinen dicken Spargel. Zwei-, dreimal schob ich ihn mir zur Probe im Schonprogramm rein. Ich wollte schließlich sicherstellen, dass er in mir drin nicht irgendwo anstieß und sich weh tat, und dass alles, was bei mir da unten für sexuelle Angelegenheiten zuständig ist, ausreichend gepresst, gewetzt und gestoßen wurde. Völlig enthemmt zwang ich Karl dann den Rhythmus auf, den meine Begierde mir eingab. Diesmal führte das zu keinerlei Kalamitäten, sondern zu einem reibungsintensiven Verkehrsfluss und letztendlich zu einem durch und durch befriedigenden Abschluss unseres Wilderns in fremden Gefilden.
Das letzte Bier, das wir uns danach reinzogen, hätte angesichts der zu erwartenden Kopfschmerzen vielleicht nicht mehr sein müssen. Aber mit der Flasche in der Hand hatten wir einen guten Vorwand, uns hinzusetzen, um in aller Ruhe beobachten zu können, ob und in welcher Intensität sich unsere Ehepartner und Freunde einen Nachschlag genehmigten. Im fahlen Mondlicht verfolgten wir die entsprechende Geschäftigkeit der beiden Bündel, deren Stöhnen und Ächzen keine Rücksicht auf die ruhebedürftige Tierwelt nahm. Wir hingegen kommentierten einen jeden Höhepunkt der Szene mit Wohlgefallen.
Als es um uns herum still wurde, drückte meine Blase. Ich suchte und fand einen Busch, der sich über die unerwartete Düngung freute, und kehrte in Karls offene Arme zurück. An mein Paulchen in Steffis Obhut denkend entschlummerte ich friedlich, ohne mich groß um den unvertrauten Klöppel zu kümmern, der in der Gegend von meinem Hinterteil die richtige Position für seine Nachtruhe suchte.

Gefühlt eine halbe, real vielleicht vier oder fünf Stunden später kreuzte eine Abordnung des berüchtigten Wandervereins »80 plus« unsere geruhsame Waldlichtung. Völlig eingeschüchtert versuchte ich, eine Antwort auf die vielstimmigen Rufe: »Wünsche wohl geruht zu haben«, »Der frühe Vogel fängt den Wurm« oder »Morgenstund hat Gold im Mund« zu finden. Es gelang mir ebenso wenig wie den anderen.
Als die ausnahmslos mit Walking-Stöcken bewaffnete Seniorentruppe außer Sichtweite war, wurde mir bewusst, was es mit dem Gold am Morgen auf sich hatte. Die güldene Sonne war schon vor geraumer Zeit aufgegangen, wälzte sich in diesem Moment über die Baumwipfel und brannte sich sogleich in mein noch alkoholgeschwängertes Hirn. Statt nach einem ordentlichen Morgenfick, wie es sich gehört hätte, verlangte es mich nach einer Aspirin, die ich zum Glück in meinem Korb fand. Der frühe Wurm hatte sich in der Nähe von meinem Möschen schon entrollt gemacht und bettelte darum, genüsslich eingefangen zu werden. Doch ich war noch nicht bereit. Um ihn zu vertrösten, tätschelte ich ihn ein paarmal und zog den Bettbezug über meinen Kopf.
In die anderen Matratzen hingegen schienen die rüstigen Wandersleute etwas mehr Leben gebracht zu haben, jedenfalls meinte ich im Halbschlaf, Steffi stöhnen und Rita leise quietschen zu hören, so als ob sich die Fremdpopper ihrer Wahl an sie heranmachen oder sich gar schon ausgewachsene Fremdkörper in sie hineindrängen würden.
Eine Weile hörte ich mir das ungerührt an. Doch als die Tablette zu wirken begann, als die Geräusche um mich herum intensiver wurden, als sich der weiche Wurm hinter mir in einen harten Prügel verwandelt hatte, als Karl geduldig und nicht ungeschickt meine erogensten Zonen in einen angenehmen Wartezustand versetzt hatte, da fühlte ich mich bei der Ehre gepackt. Nicht, dass das jetzt der beste Fick meines Lebens geworden wäre, das wahrhaftig nicht. Aber bereut habe ich es hinterher auch nicht, dass ich mir auf Ritas angestammtem Sattelknauf nochmal einen kleinen Orgasmus rausgeritten habe, während mein Paulchen und Norbert von ihren temporären Partnerinnen lautstark zum morgendlichen Hochleistungstänzchen angetrieben wurden. Es war letztlich sogar erfrischend unterhaltsam, ganz anständig in den Tag gehoppelt zu werden und gleichzeitig aus erster Hand zu erfahren, wonach es meinen beiden Freundinnen gelüstete.
Eine Viertelstunde später krabbelten wir vorsichtig aus unseren Lagern, hockten bzw. stellten uns nach Geschlechtern sortiert zum Pinkeln an den Waldrand und gruppierten uns dann um die verkohlte Stelle, die unser Johannisfeuer gewesen war. Ich schaute neugierig in die Runde.
Aus den Mienen der Männer konnte ich nicht viel herauslesen, was mir Aufschluss darüber gegeben hätten, wie sie über unsere Aktion dachten. Rita schien sich in der prallen Morgensonne nicht mehr ganz so wohl in ihrer Haut zu fühlen wie kurz nach dem Aufwachen, als sie Norbert noch einmal heftig hergenommen hatte. Sie schmiegte sich an ihren Karl an, als ob sie froh wäre, ihn endlich wiederzuhaben. Steffi hingegen strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Mein Paulchen hatte es ihr anscheinend mit all dem besorgt, was sie wollte. Was mich hinwiederum nicht überraschte, ich weiß ja nun wirklich, wie gut er es macht. Sie war es denn auch, die unser versammeltes Schweigen brach.
»Mehr Sex?«, fragte sie mit einem bei ihr gänzlich ungewohnten sprachlichen Minimalismus.
Sie bekam allgemeines Kopfschütteln zur Antwort. Die Kraft zu einer Fortsetzung brachte keiner von uns mehr auf.
»Wars gut?«, versuchte sie, einen gewissen Gesprächsfluss in Gang zu bringen.
Allgemeines Kopfnicken beruhigte sie.
»Gut wars und schön wars, aber jetzt sollten wir vielleicht gehen«, bremste Norbert dann jeglichen Versuch ihrerseits aus, Konversation zu treiben oder in anderweitigen Aktionismus zu verfallen. »Susi und Steffi, holt ihr die Autos? Wir räumen derweil hier alles zusammen.«

»Wars wirklich gut?«, fragte mich Paul später unter der Dusche.
»Schon«, gab ich nachdenklich zurück. »Technisch gesehen auf jeden Fall, was die objektiven Sachen angeht: Quantität, Konsistenz, Einschubverhalten und so. Aber ich glaube, wir sollten tatsächlich auch Aspekte wie das selbstverständliche Vertrauen, Gewohnheit, vielleicht sogar Liebe mit in unseren Kriterienkatalog aufnehmen.« Paul starrte er mich völlig entgeistert an. Er verstand kein Wort von dem, was ich da daherredete. Wie auch?
»Vergiss es! Das sind Frauenfragen«, entzog ich mich einigermaßen unelegant den langwierigen Erklärungen, die nötig gewesen wären, um ihn aufzuklären. »Und selber? Zufrieden mit der Steffi-Erfahrung?«
»Ja, schon. Zumindest interessant. Zwischendurch mal. Aber bestimmt nicht immer. Vielleicht beim nächsten Johannisfeuer wieder«, beendete er verdächtig schnell die Evaluation unseres Fremdpoppens zur Mittsommernacht und trug mich, nass und nackt wie ich war, zum Bett.

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