Frisch vermählt

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Frisch vermählt

Frisch vermählt

Anita Isiris

Der weiss getünchte Bau, der auch mitten in der Nacht alles überleuchtete, versetzte sie in Schnappatmung. „Ma... come mai...“, sagte sie immer wieder. „Wie ist das denn nur möglich?“

Der Bräutigam machte keinen Hehl daraus, dass ihm vor Stolz nahezu der Kragen platzte, so er denn einen gehabt hätte. Längst hatte er sein Hemd, wegen der herrschenden Hitze, bis zur Brust geöffnet. Die ganze Nacht hindurch würde Maria Grazia ihr edles Haupt an diese Brust legen – nach dem erschöpfenden Liebesspiel, das nun in wenigen Minuten folgen würde. Die schwere Haustür war mit edlen Butzenscheiben durchsetzt, die selbstverständlich aus Panzerglas bestanden. Einbrüche in der Gegend waren an der Tagesordnung. Ein weiteres Mal atmete Maria Grazia tief durch, schlitterte über den Carrara-Marmorboden, warf einen Blick in die Küche mit dem riesigen Dampfabzug in der Mitte, Ablageflächen aus schwarzem Schiefer ohne Ende, glänzende Technik, und bog dann ins Wohnzimmer ab, an das eine riesige Veranda mit Blick auf Olivenhaine grenzte.

„Ti piace?“, fragte Giuseppino seine Braut, als Antwort verschloss Maria Grazia seinen Mund mit einem langen Kuss. Eigentlich war sie todmüde, aber ihre Liebeshormone kochten, das Östrogen von Maria Grazia spielte verrückt und versetzte ihren gesamten Leib in Hitze. Es würde ihr erstes Mal sein. Sie, die Tochter des macellaio, die Metzgerstochter, war bestimmt nicht prüde aufgewachsen, und sie wusste genau, wie Kälblein und Schweinlein entstanden – aber amore am eigenen Leib zu erfahren, das war dann doch wohl noch etwas ganz anderes. „Mia cara...“, flüsterte ihr Giuseppino ins Ohr und umarmte sie so zärtlich, wie wohl auf diesem Erdenkreis noch nie eine Frau umarmt worden ist. Nach einem Schluck Mineralwasser in der raumgreifenden cuccina, der Küche, ging Maria Grazia vor Giuseppino die gewundene Treppe hoch – zu den Schlafräumen. „Ma che...

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Gedichte auf den Leib geschrieben