Friseurbesuch

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Friseurbesuch

Friseurbesuch

Alnonymus

Zu den tausend Dingen, die auf der To-do-Liste stehen, wenn man in eine andere Stadt zieht, gehört auch, dass man sich einen neuen Friseur suchen muss. So geht es auch mir, als ich in die siebzigtausend Einwohner zählende Stadt am Main ziehe. Da meine Zwei-Zimmer-Wohnung in der Nähe der Fußgängerzone liegt, finde ich schnell einen kleinen Friseursalon in einer der vielen Seitengassen. Es ist keiner dieser Läden mit moderner Einrichtung, die von Glas und Kunststoff geprägt sind, sondern der Salon hat einen wunderbar altmodischen Charme, sodass ich mich gleich wohlfühle. Die Chefin bedient mit ihrer Angestellten sowohl Damen, als auch Herren, und bietet sogar einen Bartpflege- und Rasierservice an, was ich sehr zu schätzen weiß. An die heute allgegenwärtigen Barbershops denkt zu dem Zeitpunkt schließlich noch niemand.

Ich bin zwar nicht eitel, achte aber doch auf ein gepflegtes Äußeres. Deshalb lasse ich mir regelmäßig einen Termin geben, den ich immer auf den späten Nachmittag lege, sodass ich nach meinem Arbeitsende direkt dorthin gehen kann. Da ich zu dieser Uhrzeit der letzte Kunde bin, und auch die Angestellte meist schon Feierabend hat, schließt die Eigentümerin die Eingangstür schon ab, nachdem ich den Salon betreten habe. Die Chefin ist eine charmante, ältere Dame, die sich Zeit für ihre Kunden nimmt, und so plaudern wir ungezwungen und gerne miteinander. Die Themen gehen uns nie aus, weshalb ich oft ein wenig länger bleibe, als der eigentliche Haarschnitt dauert. Zu Anfang sind wir noch bei „Sie“ und „Monika“, doch irgendwann gehen wir zum „Du“ über. Ja, ich fühle mich wohl in ihren Händen. So geht es etwa drei Jahre, bis zu dem Tag, an dem sich alles ändert.

Es muss Ende Januar sein, als ich wie immer meinen Mantel und meinen Hut an die Garderobe hänge, während Monika die Eingangstür verschließt.

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