„Hallo Frieda! Grüßt euch, Gusti und Gerdi!“ Nachdem sie die Drei geherzt hat, entdeckt sie auch mich. Bertha drückt mich an ihren riesigen Busen, begrüßt mich nicht weniger überschwänglich. Wir plaudern ein wenig, bis sie aufgeraucht hat. Als Frau Hollberg den Stummel in den Rinnstein wirft, reiche ich Frieda die Schlüssel. Sie schließt die Tür zum Schulgebäude auf, während ich die große Reisetasche hineintrage. Als wir alle drin sind, sperrt Frieda die Eingangstür wieder zu. Ungebetene Gäste wären heute Abend nicht willkommen. Wir gehen die Stufen der Steintreppe hinauf, bis wir vor unserem Klassenzimmer stehen. Der Geruch von Kreide und Bohnerwachs steigt in meine Nase. Er erinnert mich an meine eigene, unerfreuliche Schulzeit. Frieda öffnet die Tür, um dann Gerda zu bitten, sie möge den Lichtschalter suchen. Noch bevor sie ihn findet, zieht Gusti vorsichtshalber die Vorhänge zu. Unser Zimmer befindet sich auf der Rückseite des Gebäudes, kann von der Straße aus kaum eingesehen werden. Ich bitte Bertha, Platz zu nehmen. Sie setzt sich auf einen Stuhl in der Nähe des Lehrerpults. Ich hole eine Flasche Riesling aus der Tasche, fülle zwei Gläser mit dem Wein. Eines für Bertha, das andere für mich. Frieda und die Mädchen begnügen sich mit Selters, schließlich sind sie doch die Hauptdarstellerinnen unseres Stückes. Nachdem wir uns zugeprostet haben, ziehen sich die Mädchen in ein Nebenzimmer zurück. Frieda legt ihren Mantel ab, um dann hinter dem Lehrerschreibtisch Platz zu nehmen. Sie sieht wie immer umwerfend aus!
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