Frühling liegt in der Luft

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Frühling liegt in der Luft

Frühling liegt in der Luft

Sven Solge

Als ich Carolina zum ersten Mal sah, dachte ich bei mir, `so muss es sein, wenn man zum ersten Mal verliebt ist´.
Sie balancierte auf der schmalen Mauer, die die Promenade vom Strand abgrenzte. Die Mauer war zur Promenade nur etwa 50 cm hoch, aber zum Sandstrand ging es bestimmt zwei Meter runter und das konnte schon eine gefährliche Höhe sein, wenn man unglücklich aufkam.
Ok, der Sand war weich und würde einen Sturz aus dieser Höhe sicher abmildern, trotzdem machte ich mir unwillkürlich Sorgen.
Die beiden Mädels, die sie begleiteten, gingen ein Stück hinter ihr und ich konnte am Tonfall des einen Mädels, einer brünetten, ebenfalls sehr hübschen jungen Dame, deutlich erkennen, dass sie ähnliche Gedanken hatte, wie ich!
Die junge Frau balancierte mit ausgebreiteten Armen auf dem schmalen Grat und strahlte dabei über das ganze Gesicht.
Das Aussehen dieser jungen Frau hatte mich gefangen genommen.
Sie schien sehr groß zu sein, was natürlich durch die niedrige Mauer täuschen konnte. An ihrer grazilen Figur trug sie ein schwarzes, enges Höschen und dazu ein weißes T-Shirt, das mit schwarzen, schmalen Strichen marmoriert war. Deutlich konnte ich einen rosafarbenen BH erkennen, der durch den dünnen Stoff hindurch schimmerte. Der Anblick, ihrer kleinen Brüste, erregte mich.
Ihr schmales Gesicht, wurde von blonden, lockigen Haaren umschmeichelt, die jetzt vom sanften Wind aufgewirbelt wurden und dabei teilweise ihr Gesicht verdeckten.
Immer wieder drehte sie ihren Kopf ruckartig etwas zur Seite, damit die Haare ihr nicht die Sicht nahmen. Ihre hellen Augen strahlten ebenso wie ihr lachender Mund, so viel Lebensfreude aus, dass sich mein Gesicht auch zu einem breiten Grinsen verzog, weil ich ihre Freude so gut nachempfinden konnte und es irgendwie ansteckend war. Scheinbar lag es an der lauen Frühlingsluft, oder einfach der Freude über den Urlaub.
Und dann passierte es!
Sie erblickte mich plötzlich und ob es nun mein Grinsen, oder mein Anblick war, konnte ich nicht mehr sagen, denn die blonde Schönheit verlor auf einmal ihr Gleichgewicht und drohte in den Abgrund zu stürzen. Sie ruderte hilflos mit den Armen.
Aus den Augenwinkeln sah ich wie eine ihrer Freundinnen los sprintete, es aber niemals schaffen würde, dazu war sie viel zu weit weg.
Impulsiv sprang ich vor und packte ihre durch die Luft peitschende Hand und zog sie in meine Arme.
Mit einem leisen Aufschrei prallte sie gegen mich und im selben Moment fühlte ich ihr Knie, das mich an der empfindlichsten Stelle meiner Männlichkeit traf.
Auch wenn ich trotz des höllischen Schmerzes kaum noch Luft bekam, spürte ich deutlich die Konturen ihres zarten Körpers an meiner Brust und roch ihren frischen Duft.
Durch den Aufprall machte ich zwei, drei Schritte Rückwerts, dabei umklammerte ich sie und zog sie mit!
Auch sie hatte instinktiv ihre Arme um mich geschlungen, was mir trotz meiner Schmerzen unglaublich angenehm erschien. Ihre langen Haare bedeckten mein Gesicht und dämpften etwas mein leises Stöhnen, dass ich nicht verhindern konnte, auch wenn ich es gerne gewollt hätte!
Das alles hatte nur Bruchteile von Sekunden gedauert, trotzdem kam es mir wie eine Ewigkeit vor und als sie sich von mir lösen wollte, gab ich sie nur widerstrebend frei.
Dann hörte ich die aufgeregte Stimme von ihrer Freundin: „Caro, du bist mir die richtige! Kaum bist du wieder frei, schmeißt du dich dem erst besten Mann an den Hals!“
Während die drei Frauen sich vor Lachen bogen, setzte ich mich auf die Mauer und wartete darauf, dass der Schmerz nachließ und ich wieder etwas Luft bekam.
„Geht es dir nicht gut?“, fragte mich plötzlich die Freundin, die versucht hatte, der Blondine zu helfen. Sie schien besorgt zu sein und hatte mir mitfühlend eine Hand auf die Schulter gelegt.
„Es geht schon wieder!“, verkündete ich mit etwas schmerzverzerrten Gesicht, obgleich mein „Gemächt“ noch etwas anderes sagte.
„Wieso, was ist denn passiert?“
„Kann ihre Freundin ja nichts dafür, sie war ja am Fallen!“
Ich erhob mich, blieb aber wohl noch leicht gekrümmt stehen.
Die Erkenntnis, ließ der Brünetten die Hand vor dem Mund schlagen: „Sie hat dir das Knie in den Unterleib gerammt!“, stellte sie lakonisch fest.
„War ja keine Absicht!“, sagte ich und fügte dann aber noch grinsend hinzu: „Meinen Kinderwunsch kann ich jetzt wohl vergessen!“
Die Blondine, die von der Brünetten `Caro´ genannt wurde, hatte den etwas lauteren Ausspruch ihrer Freundin mitbekommen und kam jetzt näher.
„Was habe ich gemacht?“, fragte sie und schaute erst ihre Freundin an und dann mich.
Der Blick ihrer mitleidsvollen Augen, verzauberten mich derart, dass meine Schmerzen auf einmal wie weggeblasen waren.
„Du hast ihm dein Knie in den Unterleib gerammt! Nur weil er dich retten wollte, hast du ihn so bestraft! Dafür solltest du dich entschuldigen und ihn vielleicht zu einem Drink einladen! Das ist das mindeste, was du jetzt machen musst, du leichtsinniges Huhn!“, fügte sie noch lachend hinzu.
Jetzt kam Caro auf mich zu und legte mir eine Hand auf die Schulter: „Es tut mir unendlich leid, aber das habe ich nicht gewollt! Ich bin dir so dankbar, dass du mich vor dem Sturz bewahrt hast.“
Bevor ich etwas sagen konnte, hauchte sie mir einen Kuss auf die Wange und zog sich dann aber schnell zurück. So, als wenn ihr erst da bewusstwurde, was sie gemacht hatte.
Ich war wie in einem Rausch, ihre Hand, die auf meiner Schulter brannte, der Duft ihrer Haare, den ich noch in der Nase hatte, als ich sie umfangen hielt und die zarte Berührung ihrer Lippen auf meiner Wange, all das ließ mich etwas stottern, als ich abwiegelnd sagte: „Aaaber d a f ü r kannst du doch nichts, du warst doch vor Schreck wie gelähmt!“
„Ja, stimmt! Aber ich wollte meinem Retter doch keine Schmerzen zufügen und schon gar nicht an seiner empfindlichsten Stelle!“ Sie lächelte mich so bezaubernd an, dass mein Herz einen Schlag aussetzte.
„Hast du was bestimmtes vor, oder magst du mit uns im `Premium Hotel´ einen Drink nehmen?“
Sie wartete meine Zustimmung gar nicht ab, sondern zog mich an der Hand hoch und hinter sich her zu ihren Freundinnen: „Komm einfach mit!“
Für mich war der Weg zum Premium Hotel nicht unbekannt, hatte ich dort ja mein Zimmer. Im Premium Hotel hatte auch meine Präsentation der Firma stattgefunden und ich durfte auf Kosten der Firma Michander, nun noch eine Woche den Ort am Mittelmeer genießen.
An der Hand von Caro, folgte ich den beiden Freundinnen und hatte das Gefühl, dass große Los gezogen zu haben.
Nicht nur, dass ich sehr gute Geschäftsabschlüsse getätigt hatte, jetzt hatte mich noch die schönste Frau an der Hand, die ich mir vorstellen konnte.
Erst als die brünette Freundin sich umdrehte und lächelnd unsere verschlungenen Hände sah, löste Caro ihre Hand aus meiner.
„Wie heißt du eigentlich?“, fragte Caro mich plötzlich.
„Oliver!“, sagte ich und fügte dann noch hinzu: „Oliver Brandes!“
„Ich heiße eigentlich Carolina, aber alle nennen mich Caro. Das da vorne ist Manuela!“ Sie deutete auf die brünette.
„Und Andrea!“
Sie packte mich wieder bei der Hand und zog mich mit, zu den Freundinnen: „Das ist Oliver!“, stellte sie mich vor.
Manuela und Andrea waren stehen geblieben und gaben mir nun nacheinander die Hand.
Während Andrea sich sofort wieder von mir löste, hielt Manuela meine Hand etwas länger fest und zog mich sogar etwas zu sich heran. „Tu ihr nicht weh! Sie hat gerade eine große Enttäuschung hinter sich!“, flüsterte sie mir zu.  
Ich nickte und drückte ihr zum Zeichen, dass ich verstanden hatte, die Hand. Ließ sie dann aber los.
-*-
Wir erreichten das Hotel und als wir an der Rezeption vorbei Richtung Café gingen, begrüßte mich der Concierge: „Hallo Herr Brandes, soll ich ihnen einen Tisch reservieren?“
Die Mädels schauten sich überrascht an: „Du bist hier bekannt?“, fragte Manuela mich.
„Na ja, ich wohne hier und hatte auch mein Meeting hier, dann sollten die mich schon kennen.“
Ich wandte mich an den Concierge: „Ist das Café auf dem Dach schon auf?
Der Concierge lächelte mich an: „Natürlich, ich bestelle ihnen einen Tisch, fahren sie man schon nach oben!“ Er griff zum Telefonhörer, während ich die drei Frauen zum Fahrstuhl führte. „Dort oben haben wir eine tolle Aussicht, auf die Stadt und die Bucht!“, erklärte ich den Mädels, die mich immer noch etwas sprachlos anschauten.
Als die Tür des Fahrstuhls sich hinter uns geschlossen hatte, bestürmte mich Manuela mit Fragen: „Wer bist du und wieso kennen die dich hier?“
„Ich hatte hier bis gestern Verkaufsgespräche mit einigen Spanischen Firmen. Und da ich gute Abschlüsse gemacht habe, hat mir die Firma noch eine Woche Urlaub spendiert!“
Ich zuckte mit den Schultern, so als wollte ich mich dafür entschuldigen, dass ich Urlaub auf Kosten meiner Firma machte.
„Aha, dort arbeiten wo andere Urlaub machen!“, meinte Andrea und stieß mit ihrer Schulter kurz gegen mich.
„Ja, man kann sich den Arbeitsplatz nicht immer aussuchen!“, erwiderte ich lachend.
Kurz darauf erklang ein leiser Klingelton und die Tür des Fahrstuhls ging auf.
Währen Andrea und Manuela zum Rand der Dachterrasse eilten und den Ausblick genossen, blieb Caro in meiner Nähe.
Dieses Mal schob ich meine Hand in ihre und folgte den beiden Mädels.
Die Aussicht auf die Bucht war grandios. Auch ich war immer wieder begeistert.
„Wo ist denn euer Hotel?“, fragte ich Caro, die neben mir stand und sehr ergriffen schien.
Sofort beugte sie sich suchend etwas vor, sodass ihre Haare ihr Profil verdeckten. Impulsiv folgte ich ihrer Blickrichtung und legte ihr dabei eine Hand auf die Schulter, was bei mir einen Sturm der Gefühle auslöste.
„Dort drüben!“, sagte Carolina, und legte sich sanft gegen mich. Sie zeigte in Richtung der Marina, wo die weißen Segeljachten blendeten.
Innerlich musste ich mir gestehen, dass mich diese Frau erobert hatte. Auch wenn es mir nicht so richtig bewusst war, so spürte ich ein Verlangen, Carolina an mich zu ziehen und zu küssen.
Das ging nicht, aber die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag ins Gesicht und besser noch in die Eier. Auch wenn ihr Knie mir höllisch weh getan hatte, so hatte es doch mein Interesse geweckt!
Der Duft ihrer Haare wehte mir in die Nase und ein Glücksgefühl machte sich in mir breit, wie ich schon lange, oder besser noch nie empfunden hatte!
Meine bisherigen Beziehungen scheiterten ausschließlich daran, dass ich aus beruflichen Gründen nur wenig Zeit hatte. Dieser Kurzurlaub war seit Jahren, der erste den ich genießen konnte und dass mir dabei schon am ersten Tag so eine Frau in die Arme fallen würde und mir auf brutale Art signalisierte: „Hier bin ich! Liebe mich gefälligst!“, war für mich wie eine Offenbarung.
Ich zog Caro noch etwas fester an mich, vergrub meine Nase in ihren Haaren und flüsterte sehr leise: „Ich mag dich!“
Auch wenn es sehr leise war, so merkte ich an ihrer Reaktion, dass sie es verstanden hatte.
Sie drehte langsam ihren Kopf und schaute mich mit ihren hellblauen Augen nachdenklich an: „Ich mag dich auch!“, sagte sie und dabei kräuselten sie ihre Lippen so süß, dass ich sie beinahe doch geküsst hätte. Doch kurz davor stoppte ich und zog mich wieder etwas zurück.
Zu meiner Überraschung lächelte mich Carolina wissend an, sagte aber nichts.
„Na ihr beiden Turteltauben!“, hörte ich plötzlich Manuela, die unbemerkt an uns herangetreten war.
„Ich wusste gar nicht, dass es hier oben auch noch ein Café gibt?“, sagte Manuela, ohne weiter auf ihren Ausspruch einzugehen.
In dem Moment trat ein Kellner an mich heran: „Guten Tag Herr Brandes ich habe ihnen den Tisch dort drüben reserviert, von dort haben sie die Beste Aussicht!“ Er zeigte auf einen Tisch an der Ecke, von dem man über die Stadt blicken konnte und gleichzeitig über die Bucht.
Wir folgten dem Kellner und Andrea schloss sich wortlos uns an.
Bevor die Mädels etwas sagen konnten, bestellte ich eine Flasche Champagner und als der Kellner weg war, kam die Reaktion von Caro: „Aber ich wollte dich doch einladen, das finde ich jetzt nicht nett!“, sagte sie etwas schmollend und verzog erneut ihren Mund so zauberhaft, dass ich mich schon wieder stark zu ihr hingezogen fühlte.
„Seht es mal so,“, wandte ich mich an die Mädels. „Ich habe hier gestern, wirklich gute Geschäftsabschlüsse getätigt und da ist es nur recht und billig, dass ich das mit den Menschen feiere, die ich mag! Und ihr drei, seid ja wohl das Beste und Schönste, was man sich vorstellen kann! Besonders schön finde ich, dass ich diesen blonden Engel davor bewahren konnte, auch wenn es schmerzhaft war, zum gefallenen Engel zu werden!“ Ich legte meine Hand auf die von Caro und drückte sie zärtlich, ließ aber sofort wieder los!
Jetzt lachten Manuela und Andrea laut los, nur Caro schaute mich ernst an! Sie schien genau wie ich, zu spüren, dass sich zwischen uns etwas aufbaute.
Der Kellner brachte den Champagner und im Kühler, öffnete geschickt die Flasche, sodass der Korken mit einem lauten Plopp über die Mauer flog.
Die Mädels klatschten verhalten Beifall und nachdem die Gläser gefüllt waren und der Kellner weg war, hob ich mein Glas: „Auf unser glückliches Zusammentreffen und ich hoffe noch ein paar schöne Tage mit euch verbringen zu dürfen!“
Wir prosteten uns zu und tranken einen Schluck von dem kühlen Champagner.
Nachdem wir unsere Gläser abgestellt hatten, platzte Manuela damit raus! Wer auch sonst? Innerlich musste ich lachen.
„Erzählst du uns ein wenig von dir? Was machst du, bist du verheiratet, hast du Kinder?“ Erst als Carolinasie stoppte, weil es ihr peinlich war, dass ihre Freundin so direkt fragte. Hörte Manuela auf.
„Lass nur!“, wandte ich mich an Caro, ihr habt ein Recht darauf zu erfahren, wer ich bin: „Also mein Name ist Oliver Brandes, aber das wisst ihr ja schon. Ich bin 41 Jahre alt, aus Zeitmangel nicht verheiratet oder verbandelt. Habe keine Kinder, bin Ingenieur und arbeite im Vertrieb einer Firma für Klimaanlagen in der Nähe von München. Reicht das, oder wollt ihr noch mehr wissen?“
Als sich keiner von den dreien rührte, fragte ich nach: „Und wie sieht es bei euch aus? Seid ihr verheiratet und habt Kinder?“ Ich schaute dabei zuerst Manuela an und dann Caro.
„Ich bin 39 Jahre alt!“, begann Manuela. „Bin geschieden und habe eine Tochter von 14 Jahren. Einzelhandelskauffrau und als Verkäuferin tätig.
Doch bevor eine von den anderen etwas sagen konnte, stellte Manuela sie vor.
Danach war Andrea verheiratet und hatte zwei Kinder und war 37 Jahre alt und Hausfrau.
Carolina war mit 34 Jahren die jüngste von den Dreien. Sie hatte gerade eine große Enttäuschung hinter sich. Ihr langjähriger Freund hat sie in ihrer gemeinsamen Wohnung betrogen. Das war auch der Grund ihres Urlaubs hier in Spanien, erklärte Manuela. „Damit sie auf andere Gedanken kommt! Caro hat keine Kinder und wir freuen uns, dass du sie nicht zum gefallenen Engel gemacht hast. Mir scheint ihr beide mögt euch, denn ich habe Caro schon lange nicht mehr so fröhlich gesehen seitdem sie in deinen Armen gelegen hat!“
Ich blickte zu Caro, die neben mir saß und ihre Finger knetete.
Ich legte erneut meine Hand auf ihre Hände und drückte sie. Gleichzeitig bewegte ich mein Knie unter dem Tisch in ihre Richtung, bis ich ihr Bein berührte. Anfangs zuckte sie etwas zurück, doch als ich ihr folgte, hielt sie dagegen.

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