Er sah auf das trockene Brot in seiner Hand, mit dem er mehr spielte, als dass er es aß. Es war ja auch schon zu alt. Gemächlich schlenderte er zum Plattenspieler und legte einen jener unendlich schönen, langsam schwebenden Sätze Mozarts auf. Und bald hatte er das Gefühl, als hätte sein Herz ein kleines Loch. Und durch dieses Loch strömten sämtliche Töne hinein, und obwohl eigentlich gar kein Platz mehr war, zwängten sich doch immer mehr und mehr Töne hinein, bis sein Herz schließlich größer und größer und größer wurde. Die Platte drehte sich und drehte sich und drehte sich und seine Gedanken kreisten und kreisten hinter seinen geschlossenen Augen.
Und er sieht Vera!
Und er ist leidenschaftlich:
"Vera! Komm! Komm zu mir, lass mich die Wärme deines Blutes spüren, mein Herz daran noch heftiger erglühen! Vera, ich verbrenne mich nach dir! Ich schlafe nicht, esse nicht, denke nicht mehr. Kennst du das? Kennst du diese bohrende, drückende, würgende Leidenschaft, die wachsend und wachsend und immer mächtiger drängend aus dem Innern heraufbrüllt und haltlos allen Verstand mit sich fortreißt? Weißt du, dass ich mir in Gedanken an dich die Hände an den Wänden blutig schlage? Dass ich mit gierigen Zähnen das Gras ausreiße, auf das du den Fuß gesetzt? Dass ich...?" - "Daprrrt, daprrrt, daprrt,..."
Er ging zum Plattenspieler und stieß den Tonarm ein paar Rillen weiter.
Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. "Hm -So ein Unsinn - Phh - Ich werde einfach ins Cafe geh?n und ganz normal sein." So zog er seinen schweren grauen Mantel über und trat vor die Tür, wo die Nacht ein wolkiges Dunkel über den Häusern ausgeschüttet hatte, durch das ganz schwach, in weiter, weiter Ferne ein paar einzelne, matt glänzende Sterne hindurchschimmerten. "Ich werde ganz locker sein. Einfach ganz natürlich."
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