Gern würde sie ihn bitten, den Druck von Zunge und Lippen nur ein bisschen zu vergrößern, um sie ohne Umschweife zum Höhepunkt zu treiben. Doch sie gehorcht seinem Verbot und schweigt. Sie versucht sich mit dem Gedanken zu trösten, dass die Anspannung aufrechtzuerhalten und sich den Orgasmus aufzusparen, bedeutet, den Genuss zu verlängern. Selbst seine sanften Zungenschläge lassen ihre Erregung langsam, aber stetig anschwellen und sie merkt bereits, wie ihre Muskeln leicht zu zittern beginnen.
Immer schön langsam!
Als Olav stoppt, bevor Dörte kommen kann, keimt Enttäuschung in ihr auf. Die sexuelle Stimulation so abrupt abzubrechen, fühlt sich an wie ein gebrochenes Versprechen. Doch Dörte sträubt sich, negative Gefühle zuzulassen. Sie sagt sich, dass seine Liebkosungen sicher nur der Auftakt sein werden für weitere Steigerungen ihrer Lust. Warum sollte sie es nicht als Verheißung begreifen, wenn der Chef noch nicht zulässt, dass sich ihre Erregung in einem Orgasmus auflöst? Sie hat keinen Grund, zu befürchten, dass Olav sie unbefriedigt nach Hause schickt.
Weil Olav seinen Griff gelockert hat, braucht Dörte sich nicht mehr an ihm festzuhalten. Sie kann wieder unbesorgt stehen, auch wenn sich ihre Beine anfühlen, als wären sie aus Pudding und sich ihr Puls nur langsam normalisiert. Als ihr Blick erneut auf die Fensterwand fällt, verschränkt sie unwillkürlich die Arme vor den Brüsten. Der Reflex amüsiert sie. Ihr schamhaftes Verhalten wirkt auf sie absurd. Zum einen kann sie gar nicht wissen, ob sie beobachtet wird. Zum anderen kommt die Reaktion viel zu spät. Falls Publikum da ist, hatte es bereits seinen Spaß. Sie zwingt sich, ihre Arme wieder herunterzunehmen und zu ignorieren, was jenseits der Fensterscheiben vorgeht.
Dörte wendet sich wieder ihrem Chef zu. Er hat das bunte Taschentuch aus der Brusttasche seines Jacketts gezogen, um den Speichel zu entfernen, der aus seinen Mundwinkeln gelaufen ist.
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