Allein diese Vorstellungen erfüllten ihn mit Genugtuung und gaben ihm Freude, es reichte jedenfalls, um die Zeit zu überstehen. Denn obwohl der generelle Ablauf immer gleich war, gab es doch im Nachspiel immer Abwechslungen und variantenreiche Überraschungen. Wobei, diese immer von ihr ausgingen. Seine Aufgabe war immer dieselbe. Er musste sich auf sie legen und in sie eindringen, so schnell wie möglich, so lange wie möglich. Die Feinheiten, die Überraschungen kamen dann in dem Nachspiel, das sich in seiner Erinnerung über Stunden erstreckte, vielleicht aber nur Minuten gedauert hatte, mit dem Austausch von Zärtlichkeiten und dazwischen erholsamen Ruhephasen. Er hatte tatsächlich angefangen, sich zu wünschen, es möge so bleiben, der Zustand dieser unendlichen Glückseligkeit möge anhalten, diese unglaublich Leichtigkeit des Seins, nur unterbrochen von dieser wirklich lustvollen Schwerstarbeit, ergänzt durch die köstlichen Mahlzeiten, die ihm immer besser schmeckten, und dem Genuss des Hiresebiers, von dem er nicht genug bekommen konnte. Er wünschte sich tatsächlich, dass er sie nicht mehr verlassen müsste. Mit einem Wort, er war wirklich glücklich. Doch dann trat das Wunder oder, wenn man so will, das Drama seiner Befreiung an einem Vormittag ein. Dann zerbrach diese Magierin einfach sein Glück und warf ihn zurück in seine trostlose Welt. In eine Welt, in der er ohne ihre reichliche Liebe leben musste, ohne die permanente Erfüllung aller erotischen Wünsche und Träume. Sie zerschlug den Automaten brutal mit ein paar Hammerschlägen, in diesem Fall waren es ein paar Schnitte mit seinem Taschenmesser. Dann war er frei und todunglücklich. Nicht dass er sie anflehte, bleiben zu dürfen, nicht dass er noch einmal, ein letztes Mal dieses Bad extremer Gefühle erleben wollte, nein, das nicht, er war schon froh, wieder frei zu sein, sich seine Kleider wieder anziehen zu dürfen, er war die ganze Zeit über nackt gewesen, aber er war zugleich tieftraurig. Zum Abschied umarmten sie sich sehr lange, sie küssten sich ein letztes Mal voller Inbrunst, er griff noch einmal an ihren Busen, den er so sehr geliebt hatte, sie streichelte noch einmal mit ihren rauen Händen sein Gesicht und seine Haare und die Tränen rannen aus ihren Augen und auch aus seinen Augen und der letzte Kuss, den sie einander gaben, wollte schier nicht mehr enden. Aber dann war doch Schluss und er machte sich auf den Weg und meinte, nun das die Entscheidung getroffen war, er müsse beschwingt und verjüngt sein, aber er war es nicht. Er war traurig, aber der Gedanke, umzukehren, sein Gefängnis noch einmal freiwillig aufzusuchen, kam ihm dann doch nicht. Er beachtete weder die Dornen am Wegrand noch die Mücken und war schon bald in der Lodge. Dort musste er feststellen, dass ihn anscheinend kein Mensch vermisst hatte, dass seine Abwesenheit niemandem aufgefallen war, dass sein Zimmer noch frei und alles Gepäck vorhanden war, als ob er nur für ein paar Stunden weg gewesen wäre. Er war etwas enttäuscht und nun begann er sich doch nach seinem Gefängnis zu sehnen und nach dieser unglaublichen Frau, die er verlassen musste.
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