Geheimnisvolles Cerespoly

Nach dem großen Sterben – Teil 1

58 11-18 Minuten 2 Kommentare
Geheimnisvolles Cerespoly

Geheimnisvolles Cerespoly

Reinhard Baer

Sie nahm einen Eimer aus dem Schrank, stellte ihn ab, klappte den Paravent als Sichtschutz auf und machte eine ‚einladende‘ Handbewegung.
„Ich kacke doch nicht in diesen Eimer“. Nun hörte ich zum ersten Mal ihre Stimme. „Kack doch hin, wo du willst, Penner“. Damit ging sie auf ihren Posten zurück.
Wo saß ich natürlich ein paar Minuten später? Auf dem Eimer! Mit Genugtuung sah ich hinterher zu, wie sie angewidert den Eimer holte und vor die Jurte brachte. Draußen rief sie im Kommandoton „Scheiße abholen!“. Ich hörte Ketten klirren. Offenbar musste eine der Gefangenen meine Hinterlassenschaft entsorgen. Wertvoller Dünger für die Gemüsegärten vermutlich!
Ansonsten passierte nichts. Bohrende Langeweile überkam mich. Ich füllte die Zeit damit, die Fliegen zu beobachten die sich in das Zelt verirrt hatten und im Grunde meine Mitgefangenen waren.

Außerdem begann ich erneut über Flucht nachzudenken und genauestens zu beobachten. Alle zwei Stunden wechselten die Wächterinnen, es waren tatsächlich immer Frauen, keine Männer, keine männlichen Jugendlichen! Vielleicht könnte man die Wächterin ja irgendwie austricksen und aus der Jurte entkommen. Aber dann? Wie sollte es weitergehen? Die Schutzmauer hatte nicht nur die zwei Wachtürme am Tor sondern noch mindestens drei weitere verteilt über die ganze Länge der Umfriedung, so viele hatte ich jedenfalls bisher gesehen. Eine unauffällige Flucht wäre wohl kaum möglich. Am Tage sowieso nicht, nachts eventuell mit ganz viel Glück. Aber was wäre dann? Ich stände vor der Mauer ohne meinen treuen ‚Smith‘, ohne meine Ausrüstung und Waffen – allein mit dem Colt und Bowie-Messer der Wächterin. Wie lange konnte ich damit da draußen allein überleben?
Mittags und abends kam wieder die Hübsche und brachte mir Essen. Verhungern sollte ich also nicht! Auch sie sprach nicht und verzog keine Miene, jedenfalls mittags. Abends lächelte sie mich flüchtig an.

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Danke liebe(r) Wolkenspiel,

schreibt Anamur

nett mal eine klitzekleine Ressonanz zu vernehmen. Diese Art von Geschichten waren hier mal ein Versuch, fallen aber doch für viele anscheinend sehr aus dem Rahmen. R.

Ein Epos!

schreibt Wolkenspiel

Jetzt habe ich alle 33 Teile gelesen und bin stark beeindruckt. Eine interessante Handlung in einer kaputten Welt, Menschlichkeit und Grausamkeit, Liebe und Sex. Sehr lesenswert! Mögen uns diese Erfahrungen erspart bleiben....

Gedichte auf den Leib geschrieben