Bei den geschilderten Grenzüberschreitungen hatte bisher nie mitgemacht. Nicht dass ich ein Problem mit Gewalt hätte. Es wäre ein Witz, dass zu behaupten, bei meiner Vita. Aber manche Dinge waren selbst für mich eine Stilfrage.
Aber war ich so viel besser? Konnte ich auf andere herabblicken, nur weil ich bisher keine physische Gewalt angewendet hatte und stattdessen meine wirtschaftlich bessere Situation ausnutzte um mal eine Pflaume vor‘s Rohr zu bekommen? War ich viel besser gewesen als die dreckigen Outlaws, als ich einem Zuhälter mal eine Sexklavin abgekauft hatte und mich damit rechtfertigte, dass sie es bei mir viel besser hätte? O.k., immerhin habe ich sie einfach freigelassen, nachdem sie mir langweilig wurde. Die Grenzen zwischen Recht und Unrecht, zwischen Gut und Böse waren verdammt fließend in einer Gesellschaft im Endstadium.
Meine bisher erfolgreiche Überlebensstrategie basierte darauf, dass ich erstens niemandem traute und zweitens niemandem traute! Außerdem basierte sie auf Mobilität, Handel und guter Bewaffnung.
Die Siedlung am State Highway 79
Als ich mich der Siedlung näherte, sah ich weit vor der Schutzmauer der Siedlung noch einen Ring kleinerer Unterstände, die einen Saum von Feldern und Gemüsegärten absicherte, der sich rund um die Siedlung erstreckte. Auf einigen Feldern waren Kinder und Frauen mit Erntearbeiten beschäftigt. Der Wachgängerin des nächstgelegenen Unterstandes ließ mich wortlos passieren. Ein einzelner Reiter erschien nicht als Gefahr.
Wenig später stand ich vor dem Tor. Auf dem Turm links eine Frau, auf dem rechten ein halbwüchsiger Junge, vielleicht 14 Jahre alt, beide in Khaki-Hemden, ein Gewehr im Anschlag.
„Was willst Du?“ rief die Frau harsch.
„Ich wünsche auch einen guten Tag! - Geschäfte machen, tauschen“, war meine Antwort, „ich habe Penicillin, Rasierklingen, Munition für eure Sturmgewehre…“
Danke liebe(r) Wolkenspiel,
schreibt Anamur
Ein Epos!
schreibt Wolkenspiel