Geheimnisvolles Cerespoly

Nach dem großen Sterben – Teil 1

58 11-18 Minuten 2 Kommentare
Geheimnisvolles Cerespoly

Geheimnisvolles Cerespoly

Reinhard Baer

Ich fand das merkwürdig, denn es gab nicht einmal alte Männer oder die obligatorischen Weicheier unter den Männern, die als Spezialisten galten und die das Lager nie verließen. Nur Frauen, Jungen bis etwa 15 Jahre alt und einige Säuglinge hatte ich bisher gesehen. Bei einem Blick aus dem Fenster sah ich vor einem Nebengebäude der Farm einige Frauen mit Ketten von einem Knöchel zum anderen vor dem Haus in der Sonne sitzen.

Wie die „Gefängnis-Chain-Gangs“ vergangener Tage, dachte ich noch, nur dass sie nicht untereinander verbunden sind.
„Was ist mit den Frauen?“. Fragend sah ich Sue an. „Schädlinge der Gemeinschaft im Strafvollzug“, war ihre eisige Antwort. Mir schauerte. Sie merkte, dass ihre Antwort wohl ein bisschen schnell und kalt daher gekommen war und beeilte sich nachzuschieben: „Ist nur auf Zeit. Wenn sie sich bewähren, werden sie wieder in die Gemeinschaft aufgenommen“. Das musste aber teilweise eine sehr lange Zeit dauern, wenn ich bedachte, in welch zerlumpten Zustand die Kleidung bei einigen von ihnen war. In dieser Siedlung gab es also Sue, unübersehbar die Führerin, und mindestens drei Gruppen, registrierte ich, die Oberschicht, also die Wächter, dann die normalen Bewohner, die ich für mich ‚Zivilisten‘ taufte und die Gefangenen.
Es wurde langsam Abend. Ich sah die Sonne schon tief im Westen stehen und ich wollte weiter. Sue lud mich zum Bleiben ein. Ich solle doch einfach ein paar Tage ihre Gastfreundschaft genießen, mich mal richtig ausschlafen, den Tieren Ruhe gönnen. Ich überlegte nur flüchtig, … ein paar Tage nicht auf Tour, das klang verlockend, vielleicht mal gründlich waschen, besser essen als sonst …?
Nein, das alles hier war mir unheimlich und ich bestand regelrecht darauf weiterzuziehen.
Ich stand auf, verließ das prächtig ausgestattete Haupthaus. In der immer noch flirrenden Sommerhitze ging ich zielstrebig auf das Tor zu, in dessen Schatten mein Pferd und das Maultier angebunden und getränkt worden waren.

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Danke liebe(r) Wolkenspiel,

schreibt Anamur

nett mal eine klitzekleine Ressonanz zu vernehmen. Diese Art von Geschichten waren hier mal ein Versuch, fallen aber doch für viele anscheinend sehr aus dem Rahmen. R.

Ein Epos!

schreibt Wolkenspiel

Jetzt habe ich alle 33 Teile gelesen und bin stark beeindruckt. Eine interessante Handlung in einer kaputten Welt, Menschlichkeit und Grausamkeit, Liebe und Sex. Sehr lesenswert! Mögen uns diese Erfahrungen erspart bleiben....

Gedichte auf den Leib geschrieben