An der Vorderseite zierte ihn ein Vorhang, ebenfalls aus blauem Samt, eingestickt ein kunstvoll verschnörkeltes großes „C“.
Links neben dem Eingang eine Tafel, eine Tafel wie man sie aus Schulklassen kannte. Auf der Tafel stand oben „Kara“, darunter in einer anderen Handschrift „Jill“, darunter in einer dritten Handschrift „Patricia“.
Was war hier los? Was für Gottesdienste wurden hier gefeiert? Wenn das hier ein kultischer Ort sein sollte, dann ein ziemlich schräger! Und was war meine Rolle dabei? Ich dachte angestrengt über Fluchtoptionen nach, ging einzelne Szenarien durch und verwarf sie ausnahmslos alle. Ich merkte schnell, dass ich derzeit keine hatte. Die Wächterin wollte nicht mit mir plaudern, ansonsten passierte auch nichts … ich versank in Lethargie.
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Gegen 7.00 Uhr betrat eine weitere Frau die Jurte. Eine junge Frau, eine sehr hübsche Frau! Großgewachsen, schlank, vielleicht 10 Jahre jünger als ich. Hübsches Gesicht, aber nicht so hübsch, das es die Besitzerinnen normalerweise zu eingebildeten Gänsen werden lässt, schulterlanges glattes braunes Haar. Sie trug die für Wächterinnen obligatorische Cargo-Hose in Schwarz, Waffen- und Ausrüstungsgürtel, Khaki-Hemd, in den Händen ein Tablett. Das Hemd wölbte sich durchaus vielversprechend über ihrem Brustkorb. Alter – was ich alles beobachtete und dachte – und das in so einer Situation! Mir war nicht zu helfen!
Wortlos kam sie näher und reichte mir ein wirklich gutes Frühstück mit frischgebackenem Brot, frischen Tomaten aus dem Garten, sogar ein Ei war dabei. Ich überschüttete sie mit Fragen, aber sie ging einfach wieder hinaus, wortlos wie sie gekommen war. Gierig schlang ich alles runter.
Das hatte Folgen! Nicht lange darauf musste ich der Wächterin melden: „Ey, ich muss mal!“ Mürrisch schaute sie mich an. Dann kam sie langsam näher. Wenig später sollte mir klar sein, wofür der Paravent war.
Danke liebe(r) Wolkenspiel,
schreibt Anamur
Ein Epos!
schreibt Wolkenspiel