„And in the end,
the love you take
is equal to
the love you make“
So die Inschrift auf der Aussenmauer des Hard Rock Cafés in unserem Rücken mit den wuchtigen architektonischen Dimensionen. Und, als Vollendung, die prägenden Zeilen, die das Opus Magnum der Beatles, Abbey Road, feierlich abschliessen.
Fieberhaft begann Geronimo zu filmen. Er richtete das Objektiv auf meine Füsse. Am Morgen hatte ich sie ausgiebig gepflegt; sie waren also „filmwürdig“. Detailbesessen zoomte er meine Zehen heran. In der Ferne schimmerte das Städtchen – ich kannte bisher eigentlich bloss das erwähnte „Hard Rock Café“ hier, den definitiven Zeugen asiatischer Verwestlichung. Dann erhielt ich von Rajib erste Anweisungen. Seine sanfte Stimme klang mit einem Mal sehr bestimmt. „Go down on your knees“, befahl er. „Hey… take it easy“, forderte ich ihn auf, „keep cool, boy!“ Ich kniete in den Sand und räkelte mich kurz darauf vor Geronimos Kamera.
Mein gelber Bikini war blickdicht, das wusste ich. War er aber erst einmal nass, würde auch die Herstellerfirma für nichts mehr garantieren. Kaum hatte ich diesen Gedanken gedacht, sah ich aus dem Augenwinkel, wie Rajib vom Meer her zwei wassergefüllte Eimer heranschleppte. „What’s your name, baby?“ Geronimo legte seine Kamera zur Seite und nahm jetzt wohl Personalien auf. „Regina.“ Ich verwendete bewusst einen falschen Namen, um der Situation ein wenig Identität zu entziehen.
„Regina Schneider, from Zurich.“ „Oh, she is Swiss!“ Verzückt warf Geronimo die Hände von sich. Wie schön dieser Mann war! Sein Haar war dunkel und lockig; weisse Zähne blitzten aus einem breiten und gutmütigen Mund. Dieser Brustkasten! Geronimo wirkte ausgesprochen viril, gleichzeitig aber kindlich. Wie alt er sein mochte? So an die 25? Ob er Familie hatte? Wir standen kurz vor dem „Dnjepi Day“, dem hiesigen Neujahrstag, an dessen Vorabend ein böser Geist die Insel heimsuchen würde – um, wie alle Jahre, herauszufinden, ob sie von menschlichen Wesen beseelt war. In jener Nacht ist es streng verboten, das Hotel zu verlassen oder gar Licht zu machen. Nur so ist gewährleistet, dass der Dämon wieder abzieht und Bali ein weiteres Jahr lang in Frieden leben kann. „Now I want to film your Tortillas!“
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