Gestern war es noch Liebe

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Gestern war es noch Liebe

Gestern war es noch Liebe

Sven Solge

Der Regen hatte zum Glück aufgehört, trotzdem lag eine eigenartige Spannung in der Luft.
„Darf ich dich ein Stück begleiten?“, fragte er Luzy, als sie sich abwandte und gehen wollte.
Ohne eine Antwort abzuwarten, ging er neben ihr her und fragte sie: „Wart ihr lange zusammen?“
Es dauerte eine Ewigkeit, bis sie seine Frage beantwortete.
Der Kollege im Bus hupte noch kurz, als er an ihnen vorbei fuhr. Maik hob nur die Hand, schaute aber unverwandt Luzy von der Seite an. Noch nie hatte er sie so genau betrachten dürfen. Seine stille Sehnsucht nach dieser zauberhaften Frau brach jetzt bei ihm durch und er nahm jede ihrer Konturen in sich auf. Ihr wunderschönes Profil mit den zarten Wimpern und der süßen Stupsnase. Sie hatte blonde Haare, die jetzt aber durch die Nässe des Regenwassers, dunkler erschienen. Ihre Jacke verhüllte ihren Oberkörper, doch Maik erahnte ihre schlanke Figur.
Sie blieb plötzlich stehen und wandte sich ihm zu. Maik fühlte sich ertappt, als ein zartes Lächeln über ihr Gesicht huschte, es war aber genauso schnell wieder verschwunden!
„Ich kenne dich!“, sagte sie mit einer etwas brüchigen Stimme. „Du bist der nette Busfahrer, der mich immer besonders höflich begrüßt hat, wenn ich in deinen Bus eingestiegen bin. Danke das du mich begleitest, aber das musst du nicht, ich habe mich jetzt wieder in der Gewalt. Mein Freund, den ich schon seit unserer Zeit in der Grundschule liebe, hat mir vorhin erklärt, dass es für uns keine gemeinsame Zukunft gibt. Er fährt morgen früh nach München, um dort seine berufliche Laufbahn zu beginnen und dabei bin ich im Wege!“
Sie gab einen schnaufenden Laut von sich, so als würde sie vor Wut und Enttäuschung mit dem Fuß aufstampfen. Sie setzte ihren Weg fort und ließ einen überraschten Maik zurück. Mit allem hatte er gerechnet, aber dass sie seine vorsichtigen Zuwendungen bemerkt hatte, ließ sein Herz plötzlich stolpern.

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