Wenn Maik gedacht (oder mehr gehofft) hatte, dass Luzy ihn noch mal zum Abschied auf die Wange küssen würde, so wurde er enttäuscht. Sie reichte ihm die Hand, die er automatisch ergriff. Er folgte ihr mit dem Blick, wie sie durch den gepflegten Vorgarten schritt und wandte sich dann auch ab, um nach Hause zu gehen. Das Luzy sich an der Haustür noch einmal umdrehte, bekam er nicht mit. So sah er auch nicht das warme Lächeln, das Luzys Gesicht zum Strahlen brachte.
-*-
Luzy
„Wieso kommst du Nachhause? Wir dachten du wolltest bei Norbert bleiben?“ Ihre Mutter schaute sie fragend an?
Alleine der Name ließ bei Luzy wieder die Tränen in die Augen schießen.
„Er hat mich rausgeschmissen und mit mir Schluss gemacht!“, konnte sie gerade noch sagen,
dann stürmte sie die Treppe hoch und verriegelte ihr Zimmer.
Wenig später rüttelte Ihre Mutter an der Tür: „Luzy mach auf! Rede mit mir!“
„Ich kann jetzt nicht, bitte lasst mich in Ruhe.“
Es dauerte etwas, doch dann hörte sie die Treppe knarren, als ihre Mutter nach unten ging.
Luzy erwachte, als ihr Handy summte. Im ersten Moment war ihr nicht klar warum sie angezogen auf ihrem Bett lag. Doch dann kam die Erinnerung.
Auf dem Handy war eine ihr unbekannte Nummer zu sehen, sie öffnete die WhatsApp und eine Wärme durchströmte ihren Körper:
„Liebe Luzy,
ich danke Dir, dass ich Dich begleiten durfte,
vielleicht konnte ich Dir etwas Trost spenden, das wäre schön?
Ich mag Dich sehr gerne!
Maik“
Sie legte das Handy wieder weg und streckte sich. Lange lag sie so auf dem Rücken und starrte gegen die Decke.
Ihre Gedanken gingen zu Norbert, der jetzt bald in den Zug steigen würde und sie ihn wohl nie wiedersehen würde. Doch diese Erinnerungen verblassten immer mehr und wurden von einem anderen Gesicht abgelöst.
So ein emphatischer Mann war ihr noch nie begegnet. Wie der ihren Schmerz weggefegt hatte, verstand sie immer noch nicht. Er war einfach da und hat sie trotz ihrer abwehrenden Haltung begleitet. Auch seine Worte hatten bei ihr etwas ausgelöst, was sie noch nicht verstand, es fühlte sich aber so gut an!
-*-
Maik
Die zwei Stationen, die Maik jetzt zu seiner Wohnung laufen musste, vergingen wie im Flug. Er fühlte sich beschwingt und jeder Fußgänger, der ihm entgegen kam, wurde mit einem freundlichen: „Guten Abend“ begrüßt.
Die meisten grüßten überrascht zurück! Eine ältere Dame allerdings, die mit ihrem Dackel spazieren ging, riss sofort ihren Hund an der Leine zurück und wechselte die Straßenseite.
Maik hob zur Entschuldigung die Hand, unterließ es jetzt aber die Menschen zu grüßen. Seine Freude blieb in ihm, auch wenn er sie laut hätte rausschreien können. Ein unglaubliches Glücksgefühl durchströmte seinen Körper und er glaubte zu schweben.
Was passierte nur mit ihm?
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