Gloria und Hanna

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Gloria und Hanna

Gloria und Hanna

Erwin G. Burmeister

„Äh, nein, ich hab‘ keinen Freund. Brauch‘ ich auch nicht. Wir Mädels haben immer soviel Spaß miteinander, da vermisse ich das überhaupt nicht.“ (Und wie wir Spaß miteinander haben. Du wirst schon sehen. Auch wir zwei werden viel Spaß miteinander haben. Da bin ich mir ganz sicher.)
„Das kann ich gut verstehen. Mir fehlt da auch nichts. Ab und zu mal ein Abend mit einer guten Freundin, das reicht mir total.“ (Wenn wir guten Sex miteinander haben und anschließend unsere Strumpfhosen tauschen.)
Inzwischen war das Müsli fertig. Beide hatten nun bereits sorgfältig das Terrain sondiert. Hanna hatte also keinen Freund. Gloria war ein riesiger Stein vom Herzen gefallen, als sie dies erfahren hatte. Ja, sie jubelte innerlich geradezu. Auch Hanna hatte irgendwie erleichtert gewirkt, als Gloria ihr gesagt hatte, dass sie keinen Freund habe. Nun konnte sie also beruhigt weiter vorstoßen.
„Ach, es ist so ungemütlich hier in der Küche. Möchtest du nicht zu mir ins Büro kommen? Dann können wir zusammen Müsli essen und noch ein wenig plaudern.“ Manchmal staunte Gloria über sich selbst. Hatte sie das gerade wirklich gesagt? Begeistert stimmte Hanna zu.
Im Büro angekommen, schloss Gloria die Tür und setzte sich an ihren Schreibtisch. Hanna nahm auf der anderen Seite des Tisches auf einem Stuhl Platz. Da kam Gloria eine Eingebung. Sie schlüpfte mit ihren Füßen aus den Ballerinas heraus und legte die bestrumpften Füße wortlos mitten auf die Schreibtischplatte. Sie sah, wie Hanna kurz stockte, einen verblüfften Gesichtsausdruck annahm und Glorias Füße derart fasziniert betrachtete, dass sie glatt vergaß, ihr Müsli zu löffeln. Kurz entschlossen zog auch sie ihre Schuhe aus und legte ihre Füße ihrerseits auf den Schreibtisch, ganz nah bei Glorias Füßen. Sie trug weiße Socken.
Gloria war nun ihrerseits verblüfft. Ganz schön frech von der Kleinen! Sie lächelte und sagte nichts. Na, das konnte ja lustig werden.

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