Ich habe noch nie den Rohrstock gespürt, aber dieses Mal scheint es möglich, dass ich ihn eher kennenlerne, als es mir lieb ist. Ich gucke verliebt zu Selin, die sich ihren dunkelblauen Pullunder zurecht zupft. Wir sehen aus, als kämen wir aus einem englischen College. Mein Gott, wie süß Selin ist! Das tunesische Mädchen sieht hinreißend aus, wie es sich durch das dichte Schwarzhaar fährt. „Oh Nathalie, ich bin so excited!“, radebrecht Selin. Ich versteh sie so gut, bin doch selbst total aufgeregt. Marianne ruft uns zu sich, um uns im Schnelldurchlauf alle Räume zu zeigen. Wir werden nächste Woche mehr zu sehen bekommen, da sie heute nur wenig Zeit hat. Dennoch führt sie uns durch die wenigen Räumlichkeiten. Wir sind so nervös, dass wir gar nicht viel mitbekommen. Ich denke dauernd an strenge Lehrer, die es auf unsere Hintern abgesehen haben. Auf der Heimfahrt kribbelt mein Po fast die ganze Zeit. Ich bemerke, dass auch Selin sehr unruhig sitzt. Uns jucken schön die Popos, was einen angesichts der Umstände kaum zu wundern braucht!
Marianne trägt ein klassisches, streng wirkendes Kostüm. Sie sagt, dass sie es extra für unsere Einschulung gekauft hat. Wir sind ihre großen Mädchen, wie sie uns liebevoll nennt. Ich hatte keine Ahnung, dass Marianne in dieser besonderen Schule als Lehrerin unterrichtet. Marianne erzählte mir immer, dass sie zu ihrem Bridge-Abend müsse, wenn sie abends länger weg blieb. Sie legt je eine Hand auf unsere Rücken, um uns ins Klassenzimmer zu schieben. Heute geht es ja nur um einen Probeschultag, an dem Selin und ich quasi eingeschult werden. Marianne öffnet die Türe, um uns hinein zu geleiten. Wow, es ist ein richtiges Schulzimmer, in dessen Bänken sechs kichernde, junge Damen sitzen. Wir hatten den Raum ja schon vorab besichtigt, wobei er vollbesetzt doch ganz anders wirkt. Ich sehe, dass die Mädels tuscheln, als Marianne uns die Plätze zuweist.
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