Sie und auch ich suchen nach den Gerichten mit dem niedrigsten Preisen und erneut zeigt Hajo seinen Scharfsinn.
„Darf ich euch etwas empfehlen?
“, fragt er mit einem Lächeln und wartet unsere Antwort gar nicht ab. „Wenn ihr Fisch mögt, empfehle ich euch das Zanderfilet. Wenn euch nach etwas Herzhaften ist, das Rinderfilet von heimischen Rindern. Das werde ich übrigens nehmen.“
Erneut hat er uns durchschaut und wir folgten seiner Empfehlung. Lilly bestellt den Fisch und ich das Rinderfilet.
Auch diesmal fällt es mir zu den Fahrer zu geben und so bestelle ich einen Weinschorle und will dann nur noch Alkoholfreies trinken. Für Lilly und sich hat Hajo einen offenen Wein gewählt.
Kaum hat uns der Kellner verlassen, blickt uns Hajo an und beginnt mit der angekündigten Offenbarung:
„Ich denke, es ist an der Zeit, dass ihr einiges über mich erfahrt. Ich bin jetzt achtundvierzig und seit fünf Jahren Witwer.“
Ein schmerzlicher Zug umspielt dabei seinen Mund, doch das währt nur kurz.
„Meine Frau ist leider einem Krebsleiden erlegen und es gibt vieles, was ich mir nicht verzeihen kann. Sie wollte immer die Welt erkunden und ich sah nur meinen Job und gab ihm den Vorrang. Als ich umschwenken wollte, war es bereits zu spät. Meine Frau hat mir das nie zum Vorwurf gemacht, meine Tochter schon. Sie hat deshalb alle Brücken abgebrochen und lebt jetzt in den Staaten.“
Achtundvierzig ist er, also drei Jahre älter als ich. Das hätte ich nicht gedacht. Er wirkt so energiegeladen, dass ich ihn eher ein bisschen jünger als ich es bin, einschätze. Aber er sprach schon weiter und ich schob meine Gedanken erst einmal hintenan.
„Ich habe nicht vor mich noch einmal fest zu binden. Sex mag ich allerdings sehr. Mit meiner Frau war er erfüllend und jetzt suche ich ihn bei lockeren Treffen.“
Als er den Sex anspricht, blickt sich Lilly verstohlen um, doch Hajo spricht leise und die anderen Tische sind weit genug entfernt.
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