Jemand stöhnt leise.
Ich gucke Paul mit großen, entsetzten Augen an, als wolle ich ihn fragen die machen doch jetzt nicht wirklich hier miteinander rum? Nicht, dass ich was gegen lesbische Liebe hätte, ganz im Gegenteil. Aber ich will endlich mit Paul Sex haben, und ich habe keine Lust, das endlose Geknutsche nach einem Coming-out abwarten zu müssen.
Plötzlich ertönt ein rhythmisches Summen. Mir kommt das Wort Vibrator in den Kopf, aber im gleichen Moment muss ich fast laut lachen. Die Geilheit macht mich blöd. Es ist ein Handy, auf Vibrationsmodus, das offenbar auf dem Tisch vor dem Sofa vor sich hin brummt.
Leder knarrt, das Handy klappert auf dem Holztisch, als jemand danach tastet.
„Ja?“ Es ist Selin. „Nein ... nein, ich war nur kurz auf Toilette ... klar... nein jetzt ... wo seid ihr denn? .... OK, ich komme. Bis gleich.“
„Mirko?“
„Ja. War ziemlich angenervt. Hat gefragt, wo ich bin, die anderen wollen weiterziehen, zum Döner und dann ins Mirage.“
„Warte, ich komme mit dir!“
„OK, aber kein Wort! Mirko flippt aus, wenn er das erfährt!“
Schnellen Schrittes eilen die beiden Mädels zurück in Richtung Flur und lassen die Tür hinter sich lautstark ins Schloss fallen.
Paul und ich bleiben wortlos ein, zwei Minuten lang nebeneinandersitzen, dann platzt es aus mir heraus und ich lache wie eine Irre. Nicht über die beiden Mädels, denen gönne ich die neue Erfahrung nur zu gerne. Sondern über die Bizarrheit der ganzen Situation.
„Warum zur Hölle kann man in diesem Irrenhaus nicht einfach entspannt heimlich bumsen?“ jault Paul frustriert.
„Wir schaffen das“, entgegne ich und wische mit die Lachtränen aus den Augen. Und dann schreie ich das Regal hinter mir an: „WIR SCHAFFEN DAS!“ Mitleidig schaut eine der Porzellanfiguren zu mir herunter, völlig unbeeindruckt von meinem Gefühlsausbruch.
„Los, lass uns einen anderen Ort suchen!“ Ich stehe auf und nehme Paul an der Hand.
Halloween-Party
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