Überall im Raum stehen Kerzen mit künstlichen LED-Dochten, ein funkelnder Kronleuchter lüstert von der Decke herunter und malt Lichtpunkte auf Wände und Boden.
Vom Eingang aus gesehen links steht eine barocke Kommode an der Wand, darüber hängt in Querformat ein riesiger Spiegel, von dem aus man sich beim Sex im Bett bestimmt hervorragend beobachten kann.
Hinter dem Bett scheint ein begehbarer Kleiderschrank zu sein. Die Tür dazu ist nahtlos in die Wand eingelassen, gut getarnt durch eine blumigen Stofftapete und eigentlich nur erkennbar an den dünnen Fugen um die Tür, und einem runden Loch wo sonst ein Türgriff wäre, groß genug für drei Finger.
Ich stecke meine rein und ziehe vorsichtig. Die Tür klemmt erst ein wenig, dann geht sie auf und gibt den Blick frei auf einen kleinen Raum voller Klamotten, die teils auf Haken an den Wänden hängen, teils achtlos auf dem Boden liegen. Der Raum selbst ist unbeleuchtet, es fällt aber Mondlicht durch ein kleines vorhangloses Fenster, und natürlich durch die geöffnete Tür. Gerade, als ich diese wieder schließen will, hören wir Stimmen und Schritte. Sie kommen eindeutig auf uns zu, nähern sich dem Schlafzimmer, in dem wir ganz bestimmt nichts zu suchen haben.
„So eine Scheiße“, flucht Paul, „das gibt’s doch nicht!“
„Schnell, rein hier“, befehle ich und schiebe uns in den kleinen Ankleideraum. Ich kann gerade noch unseren Verschlag schließen, da kommen auch schon Leute durch die große Flügeltür am anderen Ende des Zimmers, lachend und laut parlierend.
Durch das kreisrunde Loch in unserem Verschlag erkenne ich ein als schaurige Braut verkleidetes Mädchen, einen Frankenstein (oder so was in der Art) und einen Priester.
„Kannst du mir mal den Schlüssel geben?“, fragt der Geistliche, der den Raum zuletzt betreten hat. Die Braut greift in ihr Dekolletee, zaubert eine Kette samt Schlüssel hervor und hält sie dem Priester mit ausgestrecktem Arm vor die Nase.
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