“ Ich wusste genau, was er vorhatte. Normalerweise hätte ich mich nicht getraut, einfach so in einem wildfremden Haus rumzustöbern, aber wir wurden gewissermaßen sogar dazu aufgefordert.
„Fühlt euch hier wie zuhause, es stehen euch alle Räume offen!“ hatte Hannes gesagt, als er die Gäste mit einem Mikrofon in der Hand begrüßte und die Party offiziell eröffnete. „Schaut euch um, das ganze Haus gehört uns heute Abend. Außerdem haben wir in einem der Zimmer eine kleine Trophäe versteckt. Einen goldenen Totenschädel, um genau zu sein. Wer ihn findet, für den gibt es um Mitternacht auch noch eine kleine Überraschung.“
Sofort machten sich etliche Leute auf die Suche, und nach nicht mal einer halben Stunde kam eine Gruppe Zombies jubelnd und grölend mit dem goldenen Schädel zurück.
„Wenn ich’s richtig gesehen habe, sind die meisten Hausbesichtiger wieder da“, sagte Paul, „vielleicht finden wir ja auch irgendwo ein kleines ruhiges Eckchen nur für uns beide?“ Dabei hat er mich frech angegrinst, und einen Moment später sind wir losgezogen, Hand in Hand, zuerst in den protzigen Eingangsbereich der Villa, vorbei an einigen knutschende Pärchen, dann die „Vom-Winde-Verweht-Treppe“ hoch, mit ihrem roten Teppichboden, der mit golden Messingstangen über die knarzenden Holzdielen gespannt wurde. Und sind dann in dieser Nische gelandet, wo wir angefangen haben uns gegenseitig einen runterzuholen, bis wir von den drei Scream-Typen unterbrochen wurden. Und anschließend selbst fast das vögelnde Pärchen überrascht hätten.
Die beiden sind inzwischen die Treppe runtergelaufen und wir sind wieder allein im Flur. Von unten wummern Bässe und aus den versteckten Lautsprechern im oberen Geschoß ertönt gespenstisches Heulen von Wind und Wölfen.
„Ok, dann wollen wir mal schauen, was dahinten auf uns wartet“, sagt Paul und nimmt mich an der Hand.
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