Er zieht die Decke über uns, doch nicht, um mich zu bedecken, sondern wie, um uns beide einzuschließen. Haut an Haut, Atem an Atem – ohne einen Druck, der uns zu etwas drängen würde.
Ich fühle mich sicher, so nah an seinem Körper, seinem Atem, umgeben von diesem stillen Versprechen, hierbleiben zu dürfen. Seine Hand liegt leicht auf meiner Taille. Keiner von uns beiden fordert Nähe ein, aber wir beide lassen sie zu.
In diesem Moment liege ich ruhig neben ihm, frei von den inneren Dämonen, die mich sonst oft treiben. Ich spüre meinen Körper, einen Körper, den ich nicht hasse – auch wenn ich lange gebraucht habe, das so zu sehen. Es ist ein ungewohntes Gefühl, hier zu sein, ohne mich abzulenken oder zu verstecken. Und doch ist gerade das so unglaublich schön.
Die Zeit wird langsam, fast surreal. Zum ersten Mal wird mir bewusst, wie sehr ich in den vergangenen Monaten gehetzt war, wie rastlos ich durchs Leben lief, als wäre ich auf der Flucht. All das scheint jetzt weit weg, unerreichbar für einen Moment, in dem nur das Hier und Jetzt zählt.
Als ich schließlich in den Schlaf gleite, fühle ich ganz deutlich, dass Halt mehr ist als eine Geste – es ist ein sicherer Ort, den wir für den jeweils anderen geschaffen haben.
Als ich die Augen öffne, ist es still. Nur das leise Knacken des Holzes, vielleicht auch ein entferntes Surren von Metall, das zum Haus gehört. Er liegt neben mir, auf der Seite, das Gesicht entspannt. Ich kann mich nicht erinnern, ihn je so friedlich gesehen zu haben. Kein Rest von Anspannung, keine Maske. Nur Atmung, gleichmäßig, tief.
Ich bewege mich vorsichtig, will ihn nicht wecken. Bin mir aber sicher, dass er es spüren würde, wenn ich mich löse. Seine Hand liegt noch immer auf meiner Taille, locker, aber fest genug, um mich spüren zu lassen, dass sie dort hingehört.
Die Nacht wirkt nach. Die Nähe, die Wärme, dieser Halt – alles hallt in mir, als sei es in meine Muskeln eingezogen. Ich merke, dass ich nicht darüber nachdenken will, wie es weitergeht. Ob wir uns wiedersehen, ob dieses Aufeinandertreffen ein Anfang oder nur eine Episode ist.
Was ich weiß: Dass ich gestern losgefahren bin als jemand, der sich über Termine, Projekte und Listen definiert, und dass ich heute hier liege und ein anderes Gefühl kenne. Es ist klein, vielleicht fragil. Aber es ist da: die Ahnung, dass ein anderes Leben möglich ist. Eines, in dem Minuten wieder Gewicht haben und Nähe nicht am Rande, sondern im Zentrum steht.
Ich drehe mich zu ihm, leiser Atemzug, sehe, wie er im Schlaf die Stirn leicht runzelt, als ahnte er eine Frage. Ich streiche behutsam darüber, lege meine Stirn an seine.
Es gibt keine Antworten. Noch nicht.
Aber ich weiß, dass ich hier, in dieser Geborgenheit, den ersten Schritt gemacht habe. Und dass manchmal schon ein einziger Schritt genügt, um den Weg in eine neue Richtung zu öffnen.
Halt finden
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