Halt finden

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Halt finden

Halt finden

Chloé d'Aubigné

Aber dieses Verbundensein fühlt sich leichter an als jede reibungslose Routine.
Wir räumen das Geschirr ab und waschen es ab. Kein Wort, nur das Klirren der Teller, das Rauschen des Wassers, das rhythmische Reiben der Schwämme. Unsere Bewegungen sind eng abgestimmt, fast so, als hätten wir schon lange Seite an Seite solche kleinen Arbeiten geteilt.
Ich spüre seine Schulter an meiner, immer wieder. Anfangs halte ich noch ein wenig Abstand, weiche aus. Aber irgendwann höre ich auf, mein Körper gesteht sich zu, in dieser Berührung zu verharren. Es ist nichts Spektakuläres – nur der Druck von Knochen und Haut, das Mindestmaß an Wärme, das entsteht, wenn man sich nicht zurückzieht. Dazu der gleichmäßige Rhythmus des Spülens.
Als der letzte Teller abgetrocknet ist, der Lappen hängt, bleibt er neben mir stehen. Ich wende mich zu ihm, ohne Absicht, ohne vorherigen Entschluss. Es ist, als würde mich etwas Grundlegendes ziehen.
Er sieht mich an, dieser ruhige Blick, und ehe ein Gedanke meine Geste bremsen kann, schließe ich meine Arme um ihn. Er zögert nicht. Seine Arme schlingen sich um meinen Rücken, ziehen mich an sich, als hätte er diese Bewegung seit Jahren im Körper aufbewahrt.
Wir stehen da, eng umschlossen, ohne Hast. Mein Gesicht liegt an seiner Schulter, ich atme tief den Geruch nach Holz, nach Seife, nach einem Rest Rauch, der in seinen Stoffen hängt. Mein Brustkorb hebt sich, senkt sich, ganz im eigenen Takt, und ich spüre, wie er ebenso atmet, warm in meinen Hals.
Es ist eine Umarmung, die nicht gelockert werden will. Keine Geste der Höflichkeit, sondern etwas Unverhandelbares, als wären wir beide zu lange weit von jedem Halt entfernt gewesen. Es brennt nicht, es lodert nicht – es hält.
Wann immer ich denke, wir müssten uns lösen, legt er den Griff enger.

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