Halt finden

7 10-16 Minuten 0 Kommentare
Halt finden

Halt finden

Chloé d'Aubigné

Und als er schließlich leise sagt: „Du musst das nicht… aus Mitleid tun“, höre ich den Ernst darin, den Zweifel, der tief in ihm verankert ist.
Ich löse mich ein Stück, sehe ihn an. „Das ist kein Mitleid.“ Meine Stimme ist rau. „Das ist… Sehnsucht. Ich vermisse es auch, gehalten zu werden. Oder auch nur, einfach einmal Nähe zuzulassen.“
Er blinzelt, und in seinen Augen liegt ein Schmerz, aber auch etwas, das diesem Schmerz trotzt: Ruhe, vielleicht auch Zärtlichkeit.
Wir verharren weiter in dieser Umarmung. Und ich weiß, ich fühle ganz klar: Es ist erst der Anfang.
Seine Arme halten mich, noch immer, als wolle er mich nicht loslassen. Ich hebe den Kopf, sehe in dieses Gesicht, das mir vertraut ist und doch neu erscheint. Wir verweilen in dem Blick, erst still, dann nähere ich mich seinen Lippen ganz zögerlich an.
Der erste Kuss ist kaum ein Kuss, eher ein vorsichtiges Aufeinanderliegen der Münder, ein Testen. Ich spüre, wie ich mich entspanne, wie meine Muskeln weicher werden, wie meine Finger von seinem Rücken in sein Haar gleiten. Er atmet aus, fast befreit, als sich unser stilles Abtasten in etwas Tieferes verwandelt.
Seine Lippen sind warm, nicht drängend. Wir küssen uns langsam, mit Pausen dazwischen, in denen wir uns ansehen, fast so, als wollten wir Gewissheit sammeln. Doch bald wissen wir, dass es real ist. Wir geben die Kontrolle ab und lassen uns von unseren Körpern führen. Diese kommunizieren perfekt abgestimmt miteinander, in einer ganz eigenen Sprache. Eine, die so Jahre ungehört blieb.
Er zieht mich näher, führt mich mit leichten Schritten Richtung Bett. Kein Ruck, keine Hast. Unsere Münder suchen sich, während Hände vorsichtig über Stoffe fahren. Meine Bluse, die ich plötzlich wie ein Hindernis empfinde, öffne ich selbst, Knopf für Knopf, während er schweigend zusieht, sein Atem an meinen Wangen.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 350

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben