So bald ich hier heraus bin, nehme ich dich mit. Und glaube mir, mit diesem Fläschchen hast du mir die Mittel in die Hand gegeben. Denn es enthält mehr, als nur eine Tinktur oder ein Elixier. Es enthält Magisches...“
Der Lederriemen glitt feucht wie er noch war, direkt um ihren Hals. Augenblicklich ging ein gänsehäutiges Prickeln der Macht durch ihren Körper, dass von frischem Mut und Tatendrang begleitet war.
Bald würde sie den Geist entfesseln. Sie konnte es kaum noch abwarten; ...befingerte immer wieder das Fläschchen mit seinem winzigen Korken. Es war kurz nach Mitternacht, als die Wächter vor der Tür endlich schnarchten. Das Wachssiegel des Korkens hatte sie bereits mit ihren nervösen Fingernägeln zerstört. Ja, Timea hatte auch ein Wenig Angst, den Korken zu ziehen. Schließlich stammte dieses Geschenk von einer Hexe…
Endlich wagte sie es, nahm die Flasche wieder vom Hals, stellte sie auf den Tisch und zog den Korken. Die Prinzessin hatte riesiges Getöse erwartet; ...einen mächtigen Geist, wie im Märchen. Einen Rächer, der die Zellentür sprengen würde, ...und die Wachen mit einem riesigen Säbel zerhacken.
Nichts dergleichen geschah.
Es machte nur ganz unspektakulär „PLOPP“.
Die Prinzessin musste zweimal hinschauen. Ein Männlein, dass bequem in ihre Hand passte, manifestierte sich in einem kaum bemerkenswerten Nebel. Aber immerhin: Es kam in polierten Schnallenschuhen daher, trug abgewetzte Kniebundhosen und ein wallendes, weißes Hemd. Die rote Weste erschien ihr etwas kitschig. Auf dem zottigen Kopf, trug es einen schwarzen Zylinder, den eine goldene Schnalle schmückte.
Verächtlich stieß das Männlein die Flasche um, die so lange sein enges Gefängnis war.
Darauf verbeugte es sich höflich auf dem Tisch, zog elegant seinen Zylinder, ...und bedankte sich für seine lang ersehnte Befreiung.
„Knorz, zu Euren Diensten“, stellte er sich darauf vor.
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