Einmal im Jahr musste jeder, der älter als zwölf war, zu der Pflichtimpfung, die für einen langen Zeitraum jede Libido unterdrückte, zumindest bei den meisten. Privater Sex war strikt verboten, auch jedes Gespräch darüber. Es war eine schwierige Zeit gewesen, und Stigma dachte an ihre Großmutter, die damals so bewunderungswürdig diesen Job erledigt hatte.
Ein rotes Licht zeigte Stigma an, dass ein Besucher kam. Es war Ticus, der Assistent Distributor aus dem Sound Department. Er war ein Genie, wenn es darum ging, illegale Musik aufzustöbern, auch wenn Stigma ihn manchmal im Verdacht hatte, er würde von den indizierten Stücken vor deren Vernichtung Kopien für seinen privaten Gebrauch machen. Er hatte sich einmal versprochen, als ihm das Wort „Beatlemania“ entschlüpfte. Doch Stigma hatte den Mund gehalten, sie mochte diesen Homogonus.
„Hi, Stigma, plug in your bytes. Nächste Woche ist mal wieder Halali beim Klonenwettbewerb. Gehst du mit mir hin?“ Er lächelte so entwaffnend, dass Stigma einfach nicht böse oder wütend sein konnte. Ticus würde sich mit seiner losen Klappe einmal um Kopf und Kragen reden. Dieses Wort allein: „Klonenwettbewerb“, das stand in den Top Ten der „nottowo“.
„Sorry, aber du weißt ja, dass ich damals auf mein Recht als Uterus User verzichtet habe. Und uns beide würden sie nie zusammen nehmen.“
„Schade, mit dir hätte es mir Spaß gemacht. Ich werde jedenfalls den Event nicht verpassen. Stell dir doch nur vor, sie wollen gleich zehn neue Homologists erschaffen. Allein bei der Public Control sind drei vacant places.“
Das Licht wurde blasser. Das Rot war verschwunden und dem üblichen Grau gewichen.
Stigma wusste, dass die Menschlinge früher weinen konnten. Eine gewisse Flüssigkeit lief dann aus ihren Augen. Sie hätte es gerne selbst erlebt. Doch ihr war klar, dass nichts, aber auch gar nichts aus einem Stigmaticus geworden wäre.
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