Die Hexe

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Die Hexe

Die Hexe

Peter Hu

Doch ehe es zum Exzess kam, blitzte es erneut im Saal und dichter Nebel stieg auf.
Daraus tauchte, o Wunder, der Zauberer wieder auf. Die Schlange war wie durch Geisterhand verschwunden. Nur die Hexe lag noch erschöpft hechelnd am Boden.

„Welcher der edlen Herren bringt den Mut auf, zu Daphne, der schwarzen Hexe von Sumer, in den Käfig zu steigen? ...Wer wagt den Schlangentanz mit ihr?“ ...warb der Magier

Der Wein hatte mich Wagemutig gemacht. Ich hatte große Lust, dieses herrliche Weib aus der Nähe zu sehen. Ich hatte noch nie zuvor eine Schwarze berührt und war unheimlich neugierig, wie sich dieser heiße Leib wohl anfühlen würde. Was hatte ich eigentlich erwartet? Ich war jedenfalls der einzige Narr unter den Zuschauern, der tatsächlich die Hand hob.
„Tu es nicht, Fremder“, ...warnte mich mein Liegennachbar.
„Die Hexe wird dich mit sich in die Unterwelt hinab reißen.“
Doch ich hochmütiger Narr lachte nur und drängte mich voller erregtem Tatendrang nach vorn.
Theatralisch wurde die Hexe derweil mit dem Zauberstab gebannt. Die Musikanten begannen eine schaurige Melodie, als mich der Magier schließlich zum Käfig geleitete.

Die schwarze Frau bewegte sich plötzlich so bedrohlich fließend, als seihe ihr tatsächlich eine Schlange in den Leib gefahren. Sie züngelte sogar witternd. Jetzt war mir doch etwas mulmig zumute. Ihr Blick hatte tatsächlich etwas bannendes. Ich fühlte mich plötzlich wie das sprichwörtliche Kaninchen vor der Schlange...
Bei den Göttern, diese Bewegungen... Das schwarze Schlangenweib fingerte sich langsam an meinen Beinen empor. Unheimlich und wunderschön zugleich. Ich fühlte ihre scharfen, schönen Krallen am ganzen Körper. Ihr duftender Leib schmiegte sich heiß an den meinen. Ich war von lustvoller Todessehnsucht durchdrungen. Mich von ihr aussaugen lassen und sterben. Teil von ihr sein, konnte es etwas großartigeres geben? Ich stand tatsächlich unter einem mächtigen Zauberbann.

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