„Du siehst aus, als wenn du Hilfe nötig hättest, und ich könnte dir helfen. Ganz sicher, also trau dich ruhig!“.
Dann stand er von der Parkbank auf und verdeckte die Sonne.
„Wie willst du mir denn helfen, du Nerd! Du Freak mit deinen Computern.“
„Da gäbe es bestimmt einige Möglichkeiten. Aber wenn du nicht willst, dann eben nicht. Meine Karte hast du ja. Mach’s gut!“<br>
‚Chris Reichelt Programming‘ stand in fett gedruckten Lettern auf der Visitenkarte. ‚Programming‘, darunter konnte ich mir alles oder nichts vorstellen. Bestimmt hatte das was mit seinen dämlichen Computern zu tun, hinter denen er sich jeden Tag zurückgezogen hatte.
Früher, in der Schule, war seine Haut blass, weil so gut wie nie Sonnenlicht daran kam. Beim Sport wurde er ausgelacht, weil sein Körper keine Muskeln aufgebaut hatte. Alle Übungen, die in irgendeiner Form mit Kraft zu tun hatten, brach er erfolglos ab. Dazu seine Pubertätspickel, die bei ihm wesentlich länger als bei allen anderen das Gesicht verunzierten, seine Brille, die, mit den dicken Rändern und den Glasbausteinen darin, machten ihn zum absoluten Einzelgänger. Niemand wollte mit ihm zu tun haben, niemand unterhielt sich mit ihm und Menschentrauben gingen auseinander, wenn er dazu trat. Aber er war ein Genie in der Schule, besonders in Mathe. Da machte er sogar den Lehrern noch was vor. Er behauptete immer, er hätte so etwas wie eine Inselbegabung, was immer wieder johlendes Gelächter auslöste.
Alle, wirklich alle, machten Späße auf seine Kosten. Verarschten ihn wo immer sich eine Gelegenheit bot. Und ich dummes Kind machte mit, weil alle mitmachten. Ich folgte dem Gruppenzwang und streute noch mehr Salz in seine Wunden.
Eigentlich eine ziemlich arme Sau! Damals jedenfalls. Ich konnte mich seinerzeit nicht outen und eingestehen, dass ich ihn eigentlich ganz süß fand. Jetzt nicht zwingend körperlich, da gab es ne Menge wesentlich hübschere als ihn.
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