Hochmut kommt vor dem Fall

Josie

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Hochmut kommt vor dem Fall

Hochmut kommt vor dem Fall

Gero Hard

Weißt du, ich habe es mit mir machen lassen, weil ich keine Chance gegen euch alle hatte. Aber ich habe sehr schnell gemerkt, wer der Drahtzieher war. Du warst es jedenfalls nicht.“
„Ist lange her, Chris. Trotzdem tut es mir leid. Wo und wann können wir uns treffen? Du bist bestimmt zeitlich knapp dran, oder?“
„Wie kommst du darauf?“
„Na ja, wo du doch jetzt so erfolgreich bist?“
„Du hast mich gegoogelt?“
„Ja! Ich war neugierig und nicht jeder hat seine eigenen Visitenkarten.“
„Hmm … stimmt! Wie hast du denn Zeit?“
„Ich bin arbeitslos. Das ist auch eines meiner Probleme. Hab also Zeit.“
„Ok verstehe, du hast also noch mehr Baustellen! Heute Abend schreibst du bitte einen Lebenslauf und suchst die letzten zwei Arbeitszeugnisse raus. Morgen kommst du um drei in den ‚Sandwerder 14‘ in Steglitz. Findest du hin?“
„Steglitz?“
„Ist das ein Problem für dich, Josephina?“
„Äähhmm … nein, finde ich schon. Aber was hast du letztens im Park gemacht? Ganz andere Ecke. Steglitz … krass.“
„Kundentermin! Nenne es Zufall oder göttliche Fügung für dich, dass wir uns da getroffen haben. Ich muss das jetzt leider abbrechen, muss noch los. Wir reden morgen, ok? Und du bringst alles mit!“
„Ja, mach ich, danke schon mal.“ Das ‚danke‘ hat er schon nicht mehr mitbekommen können. Das harte Klacken vom Auflegen war schneller. Seine Worte schwirrten in meinem Kopf herum. Sollte er wirklich helfen können und auch wollen? Mein Handy glitt mir aus der Hand und fiel mir in den Schoß. Der Hoffnungsschimmer schenkte mir ein paar Freudentränen. Mit neuem Mut wuchtete ich meine schlanken Beine aus dem Bett, klappte den Laptop auf und begann:

Lebenslauf … Josephina Schäfer, Altheider Straße 31, 12489 Berlin …

Die Arbeitszeugnisse waren auf meinem Drucker schnell kopiert und der Lebenslauf sah auch ganz ansehnlich aus. Nachdem alles in einer Klarsichthülle verstaut war, lehnte ich mich zufrieden zurück. Sollte das die Wende sein? Ausgerechnet Christian Reichelt mein Retter? Steglitz! Villenviertel. Jeder von den Anwohnern hatte mindestens ne Million auf dem Konto. Jedenfalls munkelte man das neidisch, wenn es um diesen Stadtteil ging. Aber warum wollte er, dass ich in diese noble Gegend komme? Wollte er mich mit dem Reichtum der anderen beeindrucken? Oder … nein! Das konnte nicht sein …! Er wird doch nicht selbst …?

****

Mein lieber Scholli, waren das Häuser. Was rede ich, nicht einfach Häuser, Villen, eine schöner als die andere. Prunkvoll mit hohen, kameraüberwachten Zäunen und kläffenden, angsteinflößenden Dobermännern, die vor den schmiedeeisernen Toren patrouillierten. Diejenigen, die hier wohnen durften und sich all den Luxus leisten konnten, für die war das Gewohnheit. Vielleicht sogar noch zu wenig Protz und Prunk nach außen hin. Für mich allerdings, war das über alle Maßen beeindruckend. Alles sah für mich nach übertriebener Verschwendung aus. Nutzlos, aber verdammt chic. Wahrscheinlich war das so, wenn man sonst alles hatte und nicht mehr wußte, wohin mit dem vielen Geld.

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