Hochmut kommt vor dem Fall

Josie

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Hochmut kommt vor dem Fall

Hochmut kommt vor dem Fall

Gero Hard

„Na ja, weil Franziska vorhin von den jungen Dingern sprach, die hier immer nervös werden.“
„Eifersüchtig?“
„Quatsch! Erstens kenne ich die nicht und zweitens, ist es doch deine Entscheidung.“
„Das stimmt. Es ist nur so, dass ich mir an manchen Tag den Luxus erlaube, von zuhause aus zu arbeiten. Dann lass ich mir von meinen Mitarbeitern die Unterlagen hierher bringen. Du wirst auch des Öfteren hier sein, darauf kannst du dich schon einstellen.“
„Damit komme ich klar, denke ich. Aber … ich ääähhmm, müsste mal ... die Aufregung, meine Blase.“
„Na klar, komm mit!“

Wie ein Anhängsel trottete ich hinter ihm her. Jetzt erst fiel mir auf, dass er die Fehlstellung seiner Hüfte und seines Beines nicht hatte korrigieren lassen, obwohl ihm das angesichts seines Reichtums bestimmt möglich gewesen wäre.
Es beeinträchtigte ihn nicht. Vermutlich war das der Grund, sich diesem Eingriff nicht zu unterziehen. Ich musste einfach hinsehen, scannte, wie er sich damit bewegte. Es hatte sich nichts daran geändert, wie schon in der Schule störte es mich auch jetzt nicht. Es sah weder komisch noch unbeholfen oder lächerlich aus. Es gehörte zu ihm.
Auch der Rest seiner Rückenansicht konnte sich sehen lassen: Breite Schulter, schmales Becken, Knackarsch … lecker.
Das Gäste-WC war schon so groß wie die Küche meiner elterlichen Wohnung. Hier war alles größer als woanders. Viel opulenter, von allem zuviel. Zu groß, zu modern, zu übertrieben, zu verschwenderisch. Vor allem, für einen alleine. Wozu das alles? Wahrscheinlich nur, weil er es sich leisten konnte.

Wieviel schöner wäre dieses Haus, wenn es mit einer Horde tobender Kinder belebt werden würde, wenn helles Kinderlachen die beängstigende Ruhe durchbrechen würde. So, war es eben nur ein Haus. Groß und schön, aber leblos. Nach meinem Dreier mit Sven und Herpes, schon der zweite Irrtum in kurzer Zeit, wie ich viel später erfahren sollte.
Schon als ich mir die Pussy mit einem Stück sorgfältig gefaltetem Klopapier abtrocknete, bekam ich plötzlich so ein beklemmendes Gefühl in der Brust, dieser Raum, dieser Ort raubte mir trotz seiner Größe den Atem.
Während ich mir die Hände wusch und mein Gesicht im Spiegel sah, fasste ich den Entschluss, sofort gehen zu wollen.
„Chris, sei mir nicht böse, aber ich muss los! Muss gleich noch zum Zahnarzt.“
„Schmerzen?“
„Nur Kontrolle und Reinigung.“
„Dann geht’s ja. Ok, dann sehen wir uns morgen um halb neun?!“
„Auf jeden Fall! Bis morgen und ein ganz dolles Dankeschön.“
„Ich freu mich! Ciao Josie.“

Langsam rollte ich den Kiesweg entlang. Nur dieses Mal in Richtung Haupttor, das wie vorhin schon langsam aufschwang und sich, nachdem ich hindurchgefahren war, wie von Geisterhand hinter mir schloss. Dieses Tor war für mich wie ein Stargate, wie ein Übergang in eine andere, für mich völlig neue Welt.


Fortsetzung folgt …

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