Und manchmal, ob ich nicht einfach auch das Daten sein lassen und stattdessen mein Leben alleine genießen sollte.“
Ich hob eine Augenbraue. „Vielleicht kannst du ja auch beides irgendwie kombinieren.“
Wir lachten. Doch unter ihrem Lachen lag etwas – Neugier vielleicht, oder Zweifel. Ich wich ihrem Blick aus, ließ ihn über den See schweifen. Zwar mochte ich Anna, doch dieses Geheimnis wollte ich nicht mit ihr teilen. Nicht, weil ich ihr nicht vertraute – ich hätte ihr mein Leben anvertraut. Aber ich wollte es für mich behalten, weil es sich anfühlte, als gehöre es zu meinem Körper, meiner Haut, meiner ganz eigenen Art zu atmen – und niemandem sonst.
Das Sonnenlicht brannte leicht auf meiner Haut, ein wenig zu warm für Mai, ein wenig zu intensiv und auch ein wenig zu prickelnd. Ich spürte, wie sich in mir eine Erinnerung regte. Eine, bei der meine Haut ähnlich geprickelt hatte. Nur tiefer, intimer, als hätte jemand eine unsichtbare Hand über meinen Bauch, meine Hüften, meinen Nacken gelegt. Aber an diese Erinnerung durfte ich in dieser Situation nicht denken, um nicht zu stark abgelenkt zu werden.
„Ich find meine Ruhe dort oben“, sagte ich leise. „Zwischen Himmel und Erde.“
Anna grinste. „Und vielleicht auch jemanden, der dich begleitet.“
Ich antwortete nicht. Ich musste es nicht. Anna wusste, dass ich ab diesem Zeitpunkt keine weiteren Antworten mehr geben würde, und sie akzeptierte diese Grenze – vielleicht auch, weil sie spürte, dass dahinter etwas lag, das wärmer war als jedes Date in dieser Stadt.
Das Gespräch floss weiter, doch ich kämpfte zunehmend darum, meine Gedanken unter Kontrolle zu halten. Denn sie begaben sich in diese magische Zone zwischen Himmel und Erde, Schritt um Schritt hinauf, dorthin, wo die Luft dünner und das Blut lebendiger wird, wo jeder Atemzug ein wenig tiefer in den Körper rutscht.
Höhenluft
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