Höhenluft

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Höhenluft

Höhenluft

Chloé d'Aubigné

„Von einem Freund. Es ist vielleicht nicht der beste Käse, aber der, in dem am meisten Leidenschaft steckt“, sagte er, fast entschuldigend.
„Riecht gut. Würdest du ihn teilen? Ich habe Brot. Und Trockenfleisch“, sagte ich.
Wir aßen, und es fühlte sich ganz natürlich an, wie wir das Essen teilten, wie wir ganz nahe nebeneinandersaßen, wie sich unsere Finger manchmal wie aus Versehen berührten, wenn wir nach dem Käse griffen. Die Berührungen waren kurz, beiläufig – und doch blieb jede davon einen Moment zu lang in meiner Erinnerung, als hätte meine Haut sie gespeichert.
Und ich? Ich fühlte mich leicht, als wäre das Gespräch, der Austausch, die Nähe selbstverständlich. Kein Anflug von gewolltem Flirt, nur Wärme, die sich von selbst ihren Weg suchte. All das, was ich sah, gefiel mir. Weil es natürlich wirkte. Seine Hände waren ruhig, aber ihre Bewegungen bestimmt. Seine Finger wirkten geschickt, als wüssten sie genau, wie viel Druck angenehm ist. Sein Gesicht war ruhig, aber es hatte einen glücklichen Grundton. Und seine Augen, sie waren sanft – und doch tief. Und immer, wenn sich unsere Finger oder unsere Knie kurz berührten, da war kein nervöses elektrisches Pulsieren. Da war eine Wärme, die Sicherheit vermittelte. Und von der ich gerne mehr fühlen wollte, näher an meiner Haut, näher an dem Teil von mir, den ich sonst so gut schützte.
Ich zeigte auf die Kapelle hinter uns. „Kennst du sie? Die Wandmalereien drinnen sind spannend. Nicht besonders gut, aber in einem berührenden Sinne bemüht und liebevoll.“
Er nickte. „Klingt gut. Zeigst du sie mir?“
Ich nickte.
Drinnen roch es nach kaltem Stein, aber es wirkte nicht abweisend. Die Gebete, die längst verklungen waren, hingen noch in der Luft, und auch ein Hauch von Weihrauch war zu riechen. Gleichzeitig war das Kirchenschiff lichtdurchflutet.

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