Die Helligkeit legte sich weich auf unsere Gesichter, ließ Staubkörner wie winzige, träge Funken in der Luft schweben. Ich glaube nicht an Gott, aber ich verstand, warum man hätte denken können, dass er in solch einer Kapelle wirklich anwesend war – oder etwas, das sich ähnlich anfühlt: eine stille, dichte Präsenz.
Wir sprachen nicht. Sahen uns die Heiligendarstellungen an den Säulen an. Ein wenig, als hätten talentierte Kinder sie gezeichnet. Aber auch so, dass sie greifbar wirkten. Wie Menschen, nicht wie Wunder. In diesem Moment konnte ich unseren Atem so klar hören – und auch unser leises Staunen.
Er setzte zu einem Satz an, doch ich legte ihm ganz sanft meine Handfläche auf die Brust, knapp unterhalb seiner Schulter. Unter meiner Hand spürte ich Muskeln, Stoff, Wärme. Er griff nach ihr, hielt sie kurz fest. Dies war unser stilles Einverständnis – und kaum war es getroffen, zog er mich auch schon zu sich.
Der erste Kuss war zögernd, vorsichtig. Dann sicherer, bestimmter. Seine Lippen waren ein wenig rau, als hätten Wind und Sonne ihre Spuren hinterlassen. Aber sie wirkten nicht grob, sondern vielmehr ehrlich. Ich spürte, wie seine Hände zitterten, als sie über meinen Rücken glitten, zuerst unsicher, abtastend, als wollten sie prüfen, wo sie willkommen waren. Und wie sie ruhiger wurden, als er fühlte, dass es genau das war, was ich wollte.
Mein Körper reagierte schneller, als ich es vermutet hätte. Aber besser, als ich es mir zu wünschen gewagt hätte. Die Wärme, die er ausstrahlte, wurde zu einer Hitze, die mich erfasste, sich von meiner Brust in meinen Bauch legte und tiefer sank. Ich zog ihn noch näher an mich, während er mich gegen die Wand drängte. Ich fühlte den Stein kühl im Rücken, seine Hände an meiner Taille, die Fingerspitzen ein wenig fester, als müssten sie sich vergewissern, dass ich wirklich da war.
Höhenluft
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