Höhenluft

15 10-17 Minuten 0 Kommentare
Höhenluft

Höhenluft

Chloé d'Aubigné

Der Raum war still, und obwohl ich von Lust erfüllt war, durchzog mich gleichzeitig eine Ruhe, wie ich sie sonst nicht kannte.
Ich fühlte mich so deutlich, so körperlich – und ganz ohne Ablenkung. Meine Gedanken waren präsent, befanden sich genau in diesem Moment. Zwischen seinem Atem an meiner Wange, seinen Lippen an meinem Mund und dem kühlen Stein in meinem Rücken. Und obwohl ich angespannt war, war ich mir so sicher wie schon lange nicht mehr.
Um sicherzustellen, dass es nicht nur mir so ging, hielt ich kurz inne, fragte ihn direkt: „Willst du das wirklich?“
Er nickte. „Und du? “, fragte er.
Statt zu antworten, zog ich ihn sacht noch näher an mich, legte eine Hand in seinen Nacken und ließ meine Finger in dem kurzen Haar ruhen. Das war die Antwort, deutlicher als jedes Wort.
Dann fiel alles ab. Zuerst nur das, was uns in unseren Köpfen noch auf Distanz hielt: Abstand, Hemmung, ein letzter Rest von Vernunft. Dann die Kleidung, genauer gesagt mein Shirt. Erst war da dieser Moment, in dem man das Rascheln des Stoffs hört. Dann der Moment, in dem die Haut frei wird. Man die kühle Luft ganz intensiv auf ihr spürt – aber auch die Hitze des anderen viel stärker wird. Als er seinen Pulli auszog, streifte er über meine Arme, und für einen Augenblick war da nur das Gefühl von Stoff, der uns trennt, aber auch Haut, die darunter aufatmet und die sich berühren will. Meine Finger glitten unter sein Shirt, trafen Wärme, Muskeln, die durch Arbeit entstanden waren, nicht durch Training im Fitnessstudio.
Wir fanden ein Gleichgewicht, kein Drängen, kein Kampf und keine Eile. Zwei Menschen, die wussten, dass sie hier richtig waren. Da war sein Atem an meinem Hals, mein eigenes Zittern, seine Finger auf meiner Seite, an meinem Rücken, später an meinem Oberschenkel, alles ganz harmonisch.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 929

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben