Höhenluft

16 10-17 Minuten 0 Kommentare
Höhenluft

Höhenluft

Chloé d'Aubigné

So verharrten wir kurz, bis wir dann wieder fast von selbst unseren Rhythmus fanden. Erst langsam, so vorsichtig, als wollten wir testen, wie viel Nähe wir ertrugen, ohne dass uns unsere Lust gleich überforderte. Mal wurden wir etwas schneller, dann wieder langsamer. Jede Bewegung war aber bedacht und ergab mir das Gefühl, als wollte er mit jeder Berührung, jeder Bewegung sagen, dass er wünschte, dies würde mehr als nur etwas Flüchtiges werden.
Diesen Wunsch beantwortete ich ihm, indem ich mich nicht einfach an ihn klammerte, sondern ihn hielt. Meine Hände auf seinem Rücken, meine Beine um seine Hüfte, mein Atem, der mit seinem im Gleichklang war, bis ich nicht mehr wusste, wer zuerst Luft holte.
Als ich kam, fühlte es sich nicht an, als würde sich etwas in mir entladen. Ich fühlte mich so, als würde ich mich etwas erfüllt werden. Mein Körper zog sich zusammen, warm, eng, bereit, und dann ließ ich los. Alles an mir zitterte – und doch fühlte ich mich so ruhig und erfüllt. Mir war, als hätte ich in diesem Moment plötzlich etwas sehr Komplexes verstanden, das ich aber noch nicht in eigene Worte fassen konnte. Doch fühlen, fühlen konnte ich es bereits ganz klar.
Er folgte nur einen Augenblick später. Ich spürte, wie sein Körper hart wurde, dann nachgab, wie sein Gewicht ein wenig schwerer wurde, wie sich sein Atem in meinem Hals verfing. Einen Moment lang waren wir einfach nur ein verschränkter, schwer atmender, warmer Knoten aus Haut, Schweiß, Halt.
Wir sprachen immer noch nichts, ließen uns weiterhin von der Stille umfangen. Sie fühlte sich jetzt anders an. Nicht mehr wie die Erwartung von etwas, sondern wie das Nachhallen.
Er legte die Stirn an meine Schulter, und ich strich ihm durch das Haar, spürte die Feuchtigkeit an seinem Nacken, die Wärme seiner Haut.

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 1092

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben