„Ok, das ist kein Problem, gebe ich gleich durch. Kommen sie einmal am Tag und fragen nach dem Sachstand, am besten gegen Abend.“
So machte ich das. Ich mietete mich im besten (und einzigen) Hotel der Stadt ein und bekam für drei New-Dollar täglich den üblichen Jugendherbergsstandard incl. kargem Frühstück. Nicht das ich mir nichts Besseres hätte leisten können, es gab kein besseres Frühstück.
Ich hatte Glück. Bereits am übernächsten Tag wedelte der Funker mit einem Zettel als ich den Raum betrat. Voller Spannung nahm ich ihn entgegen: „Kommen in 7-10 Tagen aus Albuquerque. Herzlich Willkommen bei der Bruderschaft! Terry.“
Die nächsten Tage verliefen in quälender Langsamkeit. Es gab in diesem Kaff einfach nichts zu tun. Ich vertrieb mir die Zeit mit Ausritten ins Hinterland. Alle einzelnstehenden Gebäude und aufgegebene Siedlungen waren längst geplündert, aber ich nahm mir die Muße die üblichen Verstecke zu suchen und wurde noch mehrfach fündig. Einmal Händler, immer Händler!
Ab dem siebten Tag hielt ich mich ganztägig auf der öden Bahnstation auf, stand an diesem Behelfsbahnsteig an dem fast nie ein Zug hielt und fühlte mich ein bisschen wie in diesen alten Western in denen diese Szene des Wartens mehrfach thematisiert worden war. Am Neunten wurde meine Geduld belohnt. Schon von weitem hörte man den Zug der bald mit quietschenden Bremsen und mit „Wagen 6“ vor der Bude der Richtfunkstation zum Halten kam. Hinter einem Fenster sah ich Kris, die irgendwas in Regale einsortierte und mich nicht bemerkte. Ich konzentrierte mich auf „Wagen 5“. Terry schaute, auf das runtergeklappte Fenster gelehnt, heraus und zu mir rüber. Ich deutete einen militärischen Gruß an und strebte mit meinem wenigen Gepäck auf den Kommandowagen zu. Mein Pferd, die ehemalige Stute von „Olivia der angepissten“ hatte ich dem Funker für 10 New-Dollar vertickt. Zu diesem recht freundlichen Kurs würde er es gewinnbringend weiterverkaufen können.
Ich betrat den Wagen und Terry begrüßte mich mit Handschlag. „Willkommen auf dem Zug. Kommst genau richtig. Wir fahren nach Boston und ich könnte mir vorstellen, dass ein Sniper im Team bei unserem neuen Einsatz hilfreich sein könnte. Erste Einsatzbesprechung morgen vierzehnhundert! Aber komm erst einmal an. Vielleicht magst du Kris begrüßen?“
Er grinste.
Home Sweet home
Nach dem großen Sterben – Teil 33
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