Honigtöpfchen

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Honigtöpfchen

Honigtöpfchen

Anita Isiris

Dazu verdrehte er die Augen und brachte die erhitzte Runde zum Grölen. Für die Männer war klar, dass Jennifer auch untenrum goldblond war, dass sich da helle Löckchen kringelten. Nur einer sagte nichts, Hans. Er sass am Nebentisch und wurde von der Runde kaum beachtet. Er galt als Dorftrottel und stützte seinen schweren Kopf auf der rechten Hand auf. Wie von weit her drangen die Stimmen des Stammclubs an sein Ohr. Auch er hatte Jennifer schon wahrgenommen. Der warme Atem einer Frau, feingliedrige Hände, fröhliches Lachen und weibliche Düfte waren ihm in seinem trostlosen Leben aber bisher völlig versagt geblieben. Er kannte diesbezüglich nur seine Schwester. Immer stellten sich ihm andere vors Licht. Er arbeitete im einzigen Produktionsbetrieb in Kippel, einer Schuhschachtelfabrik. Den ganzen Tag stapelte er Papier, verschnürte die Packen, belud grosse Lastwagen und reinigte sämtliche Böden auf dem Areal. Nein, mit Intelligenz war Hans nicht gesegnet, ebenso wenig wie andere im Dorf. Aber eben: Einer musste als Dorftrottel herhalten - damit die andern sich von ihm abheben konnten.
Mit einemmal hatte Hans genug gehört. Mit einem Rumpeln schob er den schweren Eichenholztisch von sich weg, wandte sich zum Ausgang und stapfte mit schweren Schritten aus dem Lokal. Von einem einzigen Gedanken war sein armes Hirn beseelt: Er musste diese Jennifer nackt sehen. Die Dorfbewohner hatten ja ausführlich beschrieben, was man mit einer solchen Frau tun konnte: Ihr die Brüste kneten, die Zunge in den Hals schieben, ihre Möse befingern. Hans' Herz schlug bis zum Hals, als er das kleine Schulhaus vor sich hatte. Im ersten Stock sah er gedämpftes Licht. "Bestimmt schon einer bei ihr", hämmerte es in seinem Kopf. Er klopfte den Schnee von den Schuhen, öffnete mit einem Schwung die schwere Schulhaustür und stieg die Treppen hoch. Jennifer hörte ein Geräusch und schrak zusammen.

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