Honigtöpfchen

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Honigtöpfchen

Honigtöpfchen

Anita Isiris

Unheimlich war ihr dieses kleine Dorf, in dem angeblich auch schwarze Magie betrieben wurde. Sie fuhr hoch, Grey machte einen grossen Sprung und starrte sie an. Dann klopfte es an ihrer Haustür. Jennifer schlang den bunten Kimono enger um sich, schlüpfte in die Fellpantoffeln und huschte durch den Hausgang. Der breite Schatten, der sich hinter der Tür abzeichnete, machte ihr Angst, sie gehorchte aber ihren Empfindungen nicht und öffnete. "Will reinkommen", begrüsste sie Hans. Sie hatte diesen Mann schon mehrmals gesehen - am Bahnhof, in der Seidengasse, vor dem "Löwen", in dem sie so widerlich grölten, diese Dorfmänner. Wie die wohl mit ihren Frauen umgingen? Hypnotisiert trat Jennifer zur Seite, liess Hans eintreten und schloss die Tür hinter ihm. Er streckte die Hand nach ihr aus; Jennifer wich etwas zurück. "Darf ich Dir einen Tee anbieten?" "Freundlich, danke, freundlich", lallte Hans und stierte plump auf Jennifers spitze Brüste, die sich unter der Seide des Kimonos abzeichneten. Jennifer wandte sich ab und ging in die Küche, wo sie mit dem Teeservice hantierte. Hans trat hinter sie; er zitterte vor Erregung. "Ich will Dich", murmelte er heiser, "will Dich, will Dich". "Was fällt Dir eigentlich ein..." wehrte sich Jennifer, "kommst einfach in meine Wohnung und willst Dich bedienen, häh?". "Sie reden in der Kneipe über Dich, Jenny, alle wollen Jenny, auch die Lehrer". Da packte Jennifer kalte Wut. Nicht gegen Hans, den Dorftrottel etwa, der jetzt unsicher vor ihr stand, sondern gegen ihre feinen Arbeitskollegen. Da teilte sie mit ihnen das Lehrerzimmer, tauschte Probleme mit den Kleinklassen aus, hatte allmählich begonnen, ihnen zu vertrauen... und jetzt erfuhr sie ausgerechnet vom Dorftrottel, dass sie für diese Lümmel bloss ein Sexobjekt war. Keiner von denen würde jemals ihren Ausschnitt zu sehen bekommen, geschweige denn ihre schöne Unterwäsche, die neuen Strümpfe oder ihr Bärchen.

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