Horny Bitches und das Oxytocin

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Horny Bitches und das Oxytocin

Horny Bitches und das Oxytocin

Anita Isiris

Was war denn schon dabei, wenn sich Menschen der Liebe hingaben?
Wir schreiben das Jahr 2040, eine neuen Dekade hat begonnen. Die Menschen hatten schon alles gesehen, was es zu sehen gibt. Saturierte digitale Logik, jeder Song konnte umsonst konsumiert, jedes Buch umsonst gelesen werden. Pornographie, zum Zweck der Hornyness, wurde kaum mehr online konsumiert. Man hatte es einfach gesehen, all die Frauen, die zwei „Dicks“ zugleich lutschen, zumeist KI-generiert. Hundert Jahre zuvor wäre das ein undenkbarer Aufreger gewesen, jetzt waren diese sexualisierten Gefilde flau und langweilig.
Darum trafen sich die Menschen in Communities, darum übten und feierten sie ihre Hornyness in Lokalen wie dem Kronenburgkeller.
Irgendwann wurde das Licht noch weiter gedimmt, Samira, Anne, Désirée und Sabine bekamen ihre Kleider auf einem Silbertablett serviert, zogen sich an und verliessen mit noch immer glühendem Unterleib den Ort des Geschehens. Sebastian erwartete sie beim Ausgang. Schweigend machten sie sich auf den Weg zurück ins Hotel. Tags darauf ging es wieder um das Präsentieren des Körpers, um Mimik, Gestik, um die Rhetorik der einzelnen Teilnehmerinnen zu stärken. Sebastian machte einen professionellen Job. „Brust raus, auch Du, Anne“, sagte er, „tief durchatmen“. Dabei konnte er den Blick von Annes Melonenmöpsen, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte, kaum lösen. „Wir Männer sind einfach so“, sagte er vieldeutig und blickte in die Runde. „Darum ist es so wichtig, wie Ihr Euch präsentiert. Nur so könnt Ihr das Gegenüber einnehmen.“
Alles war so, als hätte es den vorangehenden Abend gar nicht gegeben.
Zwei Tage später traten die vier Krankenschwestern ihren Dienst an. Neurochirurgie. Urologie. Medizin. Orthopädie. Sofort musste Samira in einem Vierersaal anzügliche Sprüche über sich ergehen lassen. „Noch so ein Kommentar, und ich gehe“, sagte sie bestimmt und fand in ihre Rolle zurück.

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