Hotel Agnesa

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Hotel Agnesa

Hotel Agnesa

Anita Isiris

Erschöpft legte sie sich aufs Bett und beobachtete die vorbeiziehenden Wolken. Da hörte sie ein leises Knarren der Tür: Sonja huschte ins Zimmer und schloss hinter sich ab. „Zur Sicherheit, weißt Du“ wandte sie sich erklärend an ihre Kollegin. Evelyne blickte sie fragend an, Sonja setzte sich zu ihr auf die Bettkante. Mit einer sanften Bewegung strich sie Evelyne eine Haarsträhne aus der Stirn. „Dieses Hotel hat zwei Gesichter – mindestens“, lächelte sie und schilderte Evelyne die Abgründe der Spiezer Herberge. Sonja lebte schon lange in Spiez und hasste im Grunde die polierte Oberfläche des Städchens mit all den kitschigen und überteuerten Souvenirs. „Die Japaner kaufen einfach alles, weißt Du. Kuckucksuhren, Sennenkäppis, wertlose Kristalle, Schokolade... und junge Schweizerinnen wie uns. Wie in Interlaken – aber hier ist alles wesentlich diskreter, so eine Art Outback. Genau darauf sollen wir hier im Hotel Agnesa vorbereitet werden: auf dekadente und schwerreiche Diplomaten. Ein Entrinnen ist schwierig, Evelyne... ausser Du kündigst Deinen Ausbildungsvertrag.“ Sonja hatte eine Hand auf Evelynes Knie gelegt und neigte sich zu ihr. „Magst Du mich, Evi? Ich darf doch Evi zu Dir sagen? Wieder begann Evelynes Herz zu klopfen. Sie gab keine Antwort. Mit einem Mal spürte sie in sich eine unendliche Zärtlichkeit für diese junge Frau, die da an ihrem Bettrand sass und leise zu ihr sprach. Wieder streichelte Sonja ihr übers Haar, wieder und wieder. „Schliess die Augen, Evi.“ Sonja duftete diesmal nach einem neuen Fenjalprodukt und hauchte Evelyne einen Kuss auf die Stirn. „Lass Dich einfach gehen und vertrau mir.“ Evelyne atmete tief, als ihr die Zimmerkollegin das T-Shirt hochschob und ihr eine Hand auf den Bauch legte. Bevor Evelyne in irgendeiner Form reagieren konnte, küsste Sonja sie auf den Mund. Evelyne presste die Lippen zusammen. Kurze Zeit versuchte sie so, Sonjas drängende Zunge abzuwehren, dann liess sie es geschehen: Sie wurde weich und öffnete sich für das Mädchen, die über Erfahrung zu verfügen schien. Sanft erforschte Sonja mit ihrer Zunge Evelynes Mund und streichelte gleichzeitig ihren Bauch. Sonja hatte kleine kräftige Hände und feingliedrige Finger, mit denen sie geniesserisch den Körper ihrer neuen Freundin ertastete. Im Hinterkopf hatte sie, für die ahnungslose Evelyne unsichtbar, den Auftrag ihres Chefs abgespeichert. „Mach die Kleine erst mal heiss“, hatte er zu ihr gesagt, „mach sie einfach geil, egal wie. Sie ist völlig neu hier und kennt die Pornobranche höchstens vom Hörensagen. Wir müssen behutsam vorgehen – aber wenn wir sie sorgfältig vorbereiten, bringt sie uns spätestens nach einem Monat unvorstellbar viel Kohle.

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