Ich hingegen schaue ihr gerne zu, wenn sie sich auszieht. Ihr molliger, warmer, runder Körper lässt mein Herz höherschlagen, und ich spüre in dem Moment, in dem sie ihr Nachthemd überstreift, dass ich sie wirklich mag.
An jenem Spätnachmittag kam sie aus der Dusche, die Hüften in ein buntes Badetuch gehüllt. Lachend sagte sie mir, dass die Sonne es richten würde, mit ihrem Haar, es würde rasch trocknen. Aber sie freue sich auf einen Lebensmittel-Einkaufsbummel mit mir. Nun war das einzige Geschäft in der Nähe ein veritabler Store, mit Endloskorridoren, Neonbeleuchtung und grünem Laminatboden. Ich verstand sofort, warum, als ich vor mir eine entnervte Mutter beobachtete, ihr Kind im überfüllten Einkaufswagen, und es streifte sich seine Windel ab und schleuderte sie zornentbrannt zu Boden. Gut, waren diese Böden wasserabweisend und wischfest.
Während Luise sich in die gigantische Weinabteilung verzog, ging ich sinnierend einen Korridor entlang, in dem es nach allen denkbaren Gewürzen roch. Ich trug mein langes schwarzes Lieblingskleid und neue Espadrilles, mein Dutt war extra sorgfältig fixiert. Ich dachte mir nichts weiter, bis ich hinter mir ein Geräusch vernahm. Ich bin keine schreckhafte Frau, am Spätnachmittag schon gar nicht, also verlangsamte ich den Schritt und lenkte meine Konzentration auf die Lachs-Aktionsangebote in den Kühltruhen.
Der Gedanke, woher heute, in den leergefischten Meeren, Lachs überhaupt noch kommt, war für mich unvermeidlich, und ich atmete tief durch. Die Kühle, die mir aus den Truhen entgegen strömte, tat mir sehr gut; draussen herrschten gefühlte 35 Grad. Gut denkbar, dass der ärmere Teil der Bevölkerung hier im Store seine Nachmittage verbrachte, um kühle Luft den Armen entlang streifen zu lassen – eine der letzten Vergnügungen der so genannten „letzten Generation“, die den Klimawandel vor Jahren komplett vergeblich bekämpft hatte.
Hüftlang
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Hüftlang
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