Pedro war froh, allein gelassen zu werden und machte sich an die Arbeit. Ab und zu kam seine neue Herrin, um nach dem Rechten zu sehen.
Am späten Nachmittag schlich Tohona heran, sie wollte keinesfalls von ihrer Konkurrentin entdeckt werden, und winkte Pedro hinter einen großen Busch in der Nähe. »Liebster, ich halte es ohne dich nicht aus. Bitte, sieh zu, dass du in der Nacht wegkannst und komm zu mir! Ich warte auf dich!«
Der Dienstverpflichtete fühlte sich hin- und hergerissen. Er war glücklich über die offensichtliche große Liebe dieser Eingeborenen, aber hatte auch Angst vor der Rache der Dorffrauen, wenn er ihnen nicht zu Willen war.
»Mal sehen, was sich ergibt«, wimmelte er die Liebste ein wenig ab. »Was wollte denn die Älteste von dir?«
»Ach, nichts weiter, nur Vorhaltungen wegen unserer Sitten und Traditionen, die ich beachten soll.« Sie schaute ringsum, ob sie beobachtet wurde, und lief dann schnell weg. »Denk dran, ich warte auf dich!«, rief sie noch im Wegdrehen.
Erstaunlicherweise war Ak'Chin zufrieden mit seiner Arbeit, lobte ihn sogar. Ich glaube, sie will noch was von mir, dachte sich der schlaue Bauernsohn im Stillen. Als dann Zeit zur Nachtruhe war, legte sich Pedro auf die weichen Felle, drehte sich zur Seite und murmelte: »Es war ein anstrengender Tag, ich möchte nur noch schlafen.« Fast im gleichen Moment war er eingeschlafen – oder tat zumindest so. Die neben ihm liegende Ak'Chin hatte sich das ganz anders vorgestellt. Aber was sollte sie machen?
Als die Frau in der Nacht wach wurde, war der Platz neben ihr leer. Mit einem schlimmen Verdacht stand sie auf und rannte zum Haus der verhassten Tohona. Leise schlich sie an die Tür und lauschte. Von drinnen klangen verräterische Geräusche …
Im ersten Moment wollte sie wütend hineinstürmen, dann aber besann sich die Betrogene. Was sollte es bringen? Am nächsten Morgen beachtete sie den Mann gar nicht, der wieder auf ihr Lager gefunden hatte, sondern lief zu Toâ'pa.
Die Älteste rief Tohona zu sich, die alles gestand: »Was soll ich machen? Ich liebe Pedro! Ich möchte ihn nie mehr missen. Ja, ich habe ihn des Nachts auf mein Lager bestellt – und er ist gekommen. Er liebt mich ebenfalls!«
So etwas war der Häuptlingin in ihrem ganzen Leben nicht untergekommen. Sie war ratlos. Die Frauengemeinschaften der Eodeva lebten in ihren Dörfern seit Ewigkeiten ohne Männer – und sie liebten dieses Leben in Freiheit, ohne Rücksicht auf das andere Geschlecht. Natürlich hatten auch die Eodeva Bedürfnisse, aber dafür holten sie sich eben von Zeit zu Zeit Männer aus der Umgebung, früher mit List und Gewalt, heute mittels des Abkommens. So werden auch Töchter geboren und das Frauenvolk bleibt stark. Die überflüssigen Jungen nehmen ihnen heute die Klöster der Spanier ab. Toâ'pa hatte noch nie davon gehört, dass eine Eodeva einen Mann für sich allein haben wollte. Es war immer klar, dass er der Gemeinschaft gehörte. Der Ältestenrat bestimmte, wann er bei welcher ihrer Schwestern wohnen durfte.
Die Dorfälteste redete mit Engelszungen auf die Verstörte ein, führte ihr noch einmal die Jahrhunderte alten Traditionen und Sitten ihres Volkes vor Augen und warnte vor dem Chaos, das sich ergäbe, wollte man diese über den Haufen werfen. Tohona hielt die ganze Zeit den Kopf gesenkt, hinter ihren nach vorn fallenden schwarzen Haaren sah man ihre Tränen nicht. Was sollte sie nur machen?
Ich geb dich nicht mehr her
Trügerisches Glück – Teil 1
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