Du beschenktest mich - und zwar reich: Vier Pullover von Benetton und Tom Tailor, zwei GAP-Hosen, ein Paar Schuhe von Prada, ein Schlafanzug, Hausschuhe, eine Pflanze, drei Bücher, einen Helmut-Newton-Kalender, eine italienische Schreibtischlampe und eine Junghans-Uhr. Natürlich, ich versuchte, deinen Geschenkeansturm abzuwehren - und ergab mich ihm schließlich doch nur all zu gern. Was war schon dabei? Dein Vater, ein wohlhabender Boutiquenbesitzer aus Lima; du, seine liebste Tochter und stolze Besitzerin seiner Kreditkarte. Christina Sanchez Domingo, du Hure, Mutter und Mäzenin, ich liebte dich, ehrlich und aufrichtig - und ahnte nicht, dass ich bereits in deinem Netz zappelte, deinen Attacken schutzlos ausgeliefert.
Deine erste "Attacke" war dein Vater. Er wäre in persona von Lima nach Berlin gekommen, um dich nach Peru zurückzubringen, wo du einen Mann heiraten müsstest, den du nicht wirklich liebtest. In wenigen Stunden schon würdest du mich verlassen, für immer. Ich war schockiert, ja ich weinte - zum ersten Mal seit sechs Jahren - und dann brachte ich dich vor dem bösen Vater in Sicherheit, indem ich dir Unterschlupf in meiner Wohnung gewährte. In den nächsten Wochen folgten zahlreiche weitere dramatische Enthüllungen. Du schildertest mir deine Vergangenheit: Dein Vater - eigentlich ein Kokaindealer - hätte deine Schwester vergewaltigt und in den Selbstmord getrieben. Du erzähltest mir von der Gegenwart: Dein Bräutigam in spe würde noch immer in Lima auf dich warten. Er hätte bereits einen Selbstmordversuch hinter sich, weil du ihn nicht heiraten wolltest. Dein Vater wäre zwei weitere Male aufgetaucht, um dich zur Rückkehr zu ihm zu zwingen. Du behauptetest, du wärest schwanger von mir - und dann doch nicht: ein Irrtum deines Frauenarztes. Und du ließt mich deine Zukunft wissen, eine traurige Zukunft: Du hättest im besten Fall noch zwei Jahre zu leben; Magenkrebs, im vorgerücktem Stadium, dies wäre die niederschmetternde Diagnose deines Arztes.
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