Einmal hätte man dich bereits operiert - leider erfolglos.
Dein Leben, eine einzige Soap-Opera - ich war der Zuschauer und ließ mich tagtäglich von deiner Gefühlsachterbahn herumwirbeln. Ich war verzweifelt und litt mit dir; ich versuchte dir zu helfen und informierte mich bei einem halben Duzend Ärzte über Magenkarzinome; ich verzieh dir deine Launen - wenn du mich aus heiterem Himmel beschimpftest oder meine Nachtruhe durch deine ständigen Anrufe störtest. Warum glaubte ich dir alles und vertraute dir bis zum bitteren Ende? Wieso vernachlässigte ich - ein Naturwissenschaftler - die Gesetze der Wahrscheinlichkeit so sträflich und ignorierte, dass jedes einzelne deiner vorgetragenen Ereignisse für sich allein genommen schon unwahrscheinlich war, das gleichzeitige Eintreffen aller Ereignisse aber an Unmöglichkeit grenzte? Es gibt nur eine Erklärung: Ich wollte dir glauben, denn die schreckliche Wahrheit hätte ich nicht ertragen können. Offensichtliche Unregelmäßigkeiten deiner Erzählungen versuchte ich mir dadurch zu erklären, dass du zur Übertreibung neigtest, niemals aber zweifelte ich deine Glaubwürdigkeit als ganzes an. Ich war der blauäugige Herr Biedermann, du der böse Brandstifter.
Vor drei Monaten machte ich mit dir Schluss. Ich hatte mich verliebt - in ein anderes, ein aufregendes Mädchen. Ich konnte mich mit ihr unterhalten, gut unterhalten, intelligent unterhalten. Mit dir gab es keine Unterhaltung, mit dir gab es nur Monologe, meistens meine, manchmal deine. Erst versuchte ich, dich mit freundlicher Bestimmtheit aus meinem Leben hinaus zu komplimentieren, doch du wolltest dich nicht abschütteln lassen und fandest immer neue Ausreden, dich mit mir treffen zu müssen. Ich wurde böse - du wurdest böse. Ich erteilte dir Hausverbot, du fordertest deine Geschenke zurück. Du konntest sie alle wieder mitnehmen, denn ich war so naiv zu glauben, du würdest mir dann meinen Frieden schenken.
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