Das Publikum, zu dem er so gerne gehört hätte, erschien ihm weder an- noch aufregend. Es waren ältere, meist gelangweilte Herrschaften, die schon alles kannten und alles wussten, alle Erfahrungen dieses Lebens gemacht und die wichtigsten Reisen hinter sich gebracht hatten. Es glaubte nicht, dass jemand darunter war, mit dem er die interessanten Gespräche hätte führen können, von denen er träumte. Da war niemand, der ausreichend attraktiv gewesen wäre, um die Mühe einer ernsthaften Anbahnung auf sich zu nehmen. Und so ertrug er die Phasen der Langeweile und der Einsamkeit - denn solch eine Reise war trotz oder wegen all der gebotenen Annehmlichkeiten, trotz oder wegen der idyllischen Landschaft über lange Phasen langweilig - mit phlegmatischem Nichtstun. Er wollte weder lesen noch seine Zeit mit Backgammon oder Bridge verplempern und auch die Aufenthalte im Wellnessbereich konnte man nicht uferlos ausdehnen. Er wusste eigentlich nie so recht, was er wollte, er wusste nur, dass er für das viele Geld, das er investiert hatte, genießen, auf Teufel komm raus, genießen wollte.
Bei Tisch war es ein wenig anders. Er saß neben zwei alten Damen, beide Witwen wohlhabender Unternehmer, die zu der Kategorie gehörten, die Kreuzfahrten abklapperten und viele exotischen Orte kannten und sei es auch nur durch die perfekt organisierten Landgänge. Sie schwelgten zwischen Vorspeise und Espresso in ihren gemeinsamen Erinnerungen, unterbrochen von dem ehemaligen Direktor, dessen Leben von Finanzplänen, Umsatzrenditen, Betriebsergebnissen und aufwändigen Dienstreisen und -essen geprägt worden war. Diese seine Themen brachte er immer wieder mit großem Beharrungsvermögen in die Gespräche ein, obwohl sich ganz offensichtlich keiner am Tisch dafür interessierte. Seine Frau dagegen, eine in teure Kleider gehüllte und dennoch graue Maus, schwieg und lebte nur auf, wenn die beiden Freundinnen auf die diversen Menüs zu sprechen kamen, die sie auf ihren Reisen genossen hatten.
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