Die Illusion

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Die Illusion

Die Illusion

Yupag Chinasky

Aber Küste ist Küste, Fjord ist Fjord und auch die Inseln und die einsamen Landeplätze waren sich sehr ähnlich und die Vielfalt der Motive nahm im Laufe der Tage drastisch ab. Und so versank er nach den Mahlzeiten in sein Phlegma, seine Passivität, sein Nichtstun.

So gesehen, war nicht verwunderlich, was dann am fünften Tag der Reise, dem vorletzten, geschah. Es versprach wieder eine schöner Herbstag zu werden. Das Schiff war am späten Vormittag an einer der mittelgroßen Inseln angelandet. Um den Pier herum standen ein paar Wohnhäuser, ein großer Lagerschuppen, eine schmucklose Kirche mit einem überproportional hohen Turm, sowie eine Poststation, in der auch die Gemeindeverwaltung und das Touristenbüro untergebracht waren. Eine Spar-Laden und ein Kiosk waren der Mittelpunkt des kommerziellen Lebens der Insel, auf der gerade mal ein paar Dutzend Bauern und Fischer ständig lebten. Einige Stadtbewohner hatten hier ihre Sommerhäuschen und ihre Boote und in den Ferienmonaten ergänzten viele Touristen die Bevölkerung. Sie wohnten, sofern sie länger blieben und nicht eines der vielen Ferienhäuser gemietet hatten, in dem einzigen Hotel, das an einem schönen Sandstrand lag, eine sehr seltene und daher attraktive Konstellation in dieser Gegend, das aber um diese Jahreszeit bereits geschlossen hatte, wie der Chefsteward mitgeteilt hatte. Den Reiz der Insel machte die sehr abwechslungsreiche Landschaft aus. Es gab dichte Fichtenwälder, Wiesen, Ackerland, schöne Buchten und einen mäßig hohen Berg, auf dessen Spitze ein Aussichtsturm aus Holz stand, der eine Rundsicht auf das Festland, die anderen Inseln, und das offene Meer hinter diesen Inseln bot. Der wichtigste Grund hier anzulanden und ein paar Stunden zu verbringen, waren jedoch die Seehundbänke, die den Inseln vorgelagert waren und die man von hier aus mit kleinen Schiffen besuchen konnte, die so leise und vorsichtig fuhren, dass man das Treiben der Seehunde aus nächster Nähe gut beobachten konnte.

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