Wozu er sie einladen dürfe? Akvavit, und ob er auch einen wolle? Aber ja, warum nicht. Sie kam zurück mit zwei langstieligen Gläsern, in denen eine gelbliche Flüssigkeit schwappte. Aalborg Akvavit, sagte sie, aus Dänemark. Er kannte diesen Schnaps und schätze ihn, wenn er eiskalt war, am besten aus dem Tiefkühlfach. Dieser hier war warm, aber dennoch gut.
Sie hatte eine andere Musik aufgelegt, eine fröhlichere, lautere. Sie liebe Musik, Tanzen und Reisen, sagte sie und zählte ihre Lieblingsstücke und Lieblingsländer auf. In Deutschland war sie auch schon ein paar Mal gewesen. Er erzählte von dem Schiff, von der Fahrt, von der langweiligen Gesellschaft, von seinen früheren Reisen, aber nichts aus seinem wahren Leben. Sie erzählte von den schönen Sommern im Norden, den Heidelbeeren, den hellen Nächten, aber auch von den kalten Wintern und den einsamen, dunklen Nächten, jedoch nichts von einem Mann, nichts von einem Kind. Noch ein Bier? Noch einen Akvavit? Eine Zigarette? Etwas zum Essen? Warum nicht. Er lebte auf, wie schon lange nicht mehr. Sie tänzelte auf dem Weg in das Haus. Sie tänzelte auf dem Weg zurück, das volle Tablett über ihren Kopf balancierend. Er fand das umwerfend komisch, sie war stolz, nichts verloren, nichts verschüttet zu haben. Sie tranken und aßen, redeten und lachten, flirteten und die Zeit verging wie im Flug.
Dann hörte er das Signalhorn seines Schiffes. Ein langgezogenes Tuten. Er erschrak, sah auf die Uhr. Fünf Minuten vor fünf. Er stand auf, wollte rasch bezahlen, nichts wie weg. Sie würden doch wohl ein Weilchen warten? Sie müssten doch merken, wenn er noch nicht an Bord war. Sie würden ihn suchen. Wie lange bräuchte er von hier zum Hafen? Eine Viertelstunde, sagte sie. Sie sagte es so einschmeichelnd, mit einem so seltsamen Vibrieren in der Stimme, wie eine Katze, eine schnurrende Katze. Eine Viiiertelstunde, wenn du dich ganz snell beeilst, wiederholte sie auf Deutsch.
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.