...Der junge „Hochzeiter“ hatte am Vorabend noch reichlich mit seinen Freunden getrunken, bevor er leichtsinnig mit der jungen Braut hinaus gesegelt war, um ihr einen kleinen Vorgeschmack auf die Wonnen der Hochzeitsreise zu geben. Er hatte es kaum gespürt, als ihm der Wurfspieß von hinten durch die Brust fuhr, und ihn am Hauptmast festnagelte.
Doch jetzt hatte seine schöne, junge Braut für seinen grenzenlosen Leichtsinn zu bezahlen.
Vier lange Tage erlitt die blutjunge Witwe das Schicksal der geschändeten Piratenbeute. Wilde Tiere waren weitaus gnädiger...
Nefret dankte ihren Göttern, dass ihr dieses Schicksal erspart geblieben war, ...und betete für eine rasche Erlösung ihrer Leidensgenossin.
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Endlich legte das Schiff im Hafen der kleinen Pirateninsel an. Als der Großteil der Schiffer von Bord war, führte der Kapitän unsere Ägypterin an Deck. Das grelle Sonnenlicht ließ sie nach den Wochen unter Deck blinzeln.
Als Nefrets Augen sich an die gleißende Helligkeit gewöhnt hatten, machte sie eine grausige Entdeckung. Ein nacktes, geschundenes Menschenbündel, lag da zitternd auf den Planken. Es wimmerte nur noch zusammengekauert vor sich hin.
„Schlampige Bande“, ...fluchte der Kapitän vor sich hin, als auch er die arme Frau gewahrte.
Der Grausame wollte das jämmerliche Päckchen gerade packen und ins Hafenbecken werfen, da stellte sich Nefret ihm mit erstaunlicher Tapferkeit in den Weg.
„Ich werde mich um sie kümmern! ...Wenn du sie ins Meer wirfst, springe ich hinterher. Und du weißt schließlich inzwischen, was eine Künstlerin mit meiner Ausbildung für einen Marktwert hat!“...
„Also gut, pflege sie wieder auf die Beine. Hübsch ist sie ja, wenn man einmal von den Spuren der Meute absieht. Vielleicht bringt sie ja noch ein paar Silberlinge ein. Auch wenn sie nun gewiss nicht mehr ganz bei Verstand sein dürfte. Aber es soll ja Narren geben, die gerade für solche Weiber eine besondere Schwäche haben. Doch wenn sie nach Wochenfrist noch immer so erbärmlich aussieht, ...dann“, ...der Seeräuber fuhr sich mit dem Zeigefinger über die Gurgel.
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